Besprechungen

1922 Orientalistische Literaturzeitung  
Baum. Doch sei für etwaige Interessenten auf die eingehende Besprechung von C. Meinhof hingewiesen (Ztschr. f. Eingeborenensprachen, Bd. XI, Heft 1, 1921, S. 73-75), deren Ergebnis: "Ich kann nicht leugnen, daß mich das Buch des gelehrten Verfassers interessiert hat, um so mehr bedaure ich, daß ich ihm eigentlich in allen Stücken widersprechen muß" sich Ref. nur anschließen kann. Im übrigen ist das Buch eine Kampfschrift gegen alles, was die ägyptische Sprachwissenschaft in den letzten yier
more » ... en letzten yier Dezennien an gesicherten Tatsachen erarbeitet hat : Die ägyptische Schrift bezeichnet nach Hrn. Naville also nicht ausschließlich die Konsonanten, sondern gerade auch die Vokale; insbesondere sind i, j, % w ebenso wie s und » Vokale. Das Ägyptische ist nicht gebaut wie die semitischen Sprachen; daher denn auch Alles, was wir yon der ägyptischen Grammatik, in erster Linie vom Verbum, zu wissen glauben, grundfalsch ist. Viel passender und dem Wesen des Ägyptischen entsprechender ist es, nach den Formen zu suchen, mit denen présent, future, passé défini, plusqueparfait ausgedrückt werden -das heißt also, das System der französischen Grammatik auf das Ägyptische zu übertragen. Wie denn überhaupt unsere neueren Vorstellungen wie vom Wesen der Hieroglyphenschrift so auch yon dem Gang der ägyptischen Sprachgeschichte völlig irrig sind. Denn -und damit kommen wir dann zu den Gedanken, die Ref. vorstehend nach dem Original mitteilen zu müssen glaubte. Es ist der alte Kampf gegen die mit einem von Hrn. Naville selbst geprägten, Schlagwort so bezeichnete "école de Berlin" der Ägyptologie, der hier mit erfrischender Lebhaftigkeit, aber mit stumpfen Waffen aufs neue entfacht wird. Nur dürfte der Herr Verfasser sich in einem nicht unwesentlichen Punkt irren: Es handelt sich gar nicht um die Ansichten des "Mr. Erman" oder des "savant professeur de Goettingue" oder anderer "savants confrères d'Outre-Rhin", die er zu bekämpfen sucht, sondern um die wissenschaftliche Überzeugung der gesamten Ägyptologie. Der Herr Verfasser hat außer Acht gelassen, daß es neben ihm und Hrn. Budge kaum noch jemanden gibt, der an die alten Irrtümer der Vokalbezeichnung usw. im Ägyptischen glaubt, und daß andererseits Forscher wie Gardiner, Griffith, Lacau, Breasted, Dévaud, Lange, Farina u. a. m. -d. h. die Führer der Ägyptologie in ihren Ländern -von der Richtigkeit des bekämpften "Systems" durchdrungen sind. Was Hr. Naville dagegen vorbringt, wäre nur in der Weise zu widerlegen, daß man ihm die gesamte moderne Forschungsliteratur von Ermans Neuägyptischer Grammatik an bis zu Gardiners jüngst erschienenen Untersuchungen über die Partizipialformen entgegenhielte. Aber da der Herr Verfasser diese Arbeiten zu kennen scheint und trotzdem sein Buch geschrieben hat, so ist eine Verständigung mit ihm leider nicht möglich. Weill, Raymond: La fin du moyen empire Égyptien. Étude sur les monuments et l'histoire de la période comprise entre la Xlle et la XYIIIe Dynastie. Bd. Ι/Π. (XII, 971 S.) 8». Paris, A. Picard 191S. Fr. 45 -. Bespr. ron Max Pieper, Berlin. Tausend Seiten über die dunkelste Periode der ägyptischen Geschichte, das erscheint etwas zuviel des Guten. Doch muß bei genauerer Prüfung gesagt werden, daß, wer hier wirklich Licht in das Dunkel bringen will, viele Fragen erörtern muß, die scheinbar nicht dahin gehören. Dann erscheint der Umfang eher verständlich. Ref. hat genau dasselbe Thema in seiner Doktor-Dissertation behandelt, glaubt aber nach fast zwei Jahrzehnten seiner Jugendarbeit so objektiv gegenüber zu stehen, daß er gegen einen Gelehrten, der zu andern Resultaten kommt, als unparteiisch gelten kann. Der Verf. erörtert zunächst die ägyptische Überlieferung, die Erzählungen der Hatschepsut, des Sallierl, und Manethos. Weill weist sehr hübsch nach, daß diese Berichte in ihrer stilistischen Form lebhaft an die großen literarischen Kompositionen des Mittleren Reiches erinnern, an den "Lebensmüden" an die Leidener" Admonitions" (oder, wie ich trotz Gardiner lieber sagen möchte, Prophezeiungen). Die gleichen stilistischen Formen finden sich nach Weill in den bekannten Dekreten Tut-anch-Amuns, Horemhebs u. Ramses ΠΙ (im Schlußteil des großen Harris.) Ja selbst im manethonischen Bericht bei Josephus •sieht er die altägyptischen Stilformen noch durchschimmern (wohl mit Recht). Diese Erörterungen sind nicht ohne Wert, soviel ich weiß, wird hier zum ersten Mal (von gelegentlichen Bemerkungen Ermans, Griffith' u. a. abgesehen) gezeigt, wie der im Mittleren Reich geschaffene Stil für die ganze Folgezeit maßgebend geblieben ist. Aber Weill schießt weit übers Ziel hinaus, wenn er daraufhin den genannten Texten jeden historischen Wert abspricht (nur den Bericht des Amasis von El Kab läßt er gelten). Wenn die stilistischen Formen entlehnt sind, so brauchen die in diesen Formen erzählten Tatsachen deshalb noch nicht erfunden zu sein. Es ist dringend zu wünschen, daß die Ägyptologie nicht auf dieselben Irrwege gerät, die die klassische vor nicht, langer Zeit gegangen ist, aber glücklicherweise wieder verlassen hat. Wir haben es ja erlebt, daß die Angabe des Tacitus,
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