Einwirkung des Schwefelwasserstoffs auf die Isonitrile

A. W. Hofmann
1877 Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft  
Vorgekageu vom Verfasser. Seit ich vor etwa zebn Jahren in der Einwirkung von Chloroform oder chloroformbildenden Kgrpern anf Monamine eine allgemeine Reaction auffand, in welcher die Iaonitrile aowohl der Fettsiiurereihe i d s auch der aromrrtischen Reibe gebildet werden, habe ich mich zu wiedorholbn Malen mit diesen Snbstanzen beschiiftigt , bin aber steta bald wieder von dieaer Beschiiftigung abgekommen, weil i& meine Arbeitsgenossen nicht allzulange mit dem aof die Dauer nttbezu
more » ... nttbezu unertriiglichen Geruche dieaer Kiirpergruppe belhtigen wollte. In den letztsn Wochen aiod einige Versucbe, die Thioameieen-sPure darzuatallen, Veranlaesung geweeeo, das Studium der Iaonitrile wiedor aufzunehmen. In&m ich der Gesellschaft einige Ergebnisse mittheile, zu welchen diese Studien bereita gefiihrt haben, iet ee mir eine angenchme Pflicht, Hrn. Dr. R i c h a r d K i r c h n e r und Hm. W i l l i a m Si m p s o n fiir den wahrheft opfermothigen Beiatand zu danken, welchen die Genannten mir bei dieeer Untersuchung haben leiatea wollen. Die TbioformylsSnre kounte sich miiglicher Weiee aua den geachwefeltcn Formamiden gewinnen Iaaaen, deren Darstellung bia jetet nicht veraucht worden ist, aber keine allzngrosaen Schwierigkeiten zu bieten acbien. Man weiss aus deD scb6nen Unterauchongen Cab ours' I), dsss die Nitrile 1 Mol Schwefe~waaeerstoff zo 6xiren im Stande aind und ea war kaum zu bezweifeln, dam die Isonitrile outer geeigneten Redingungen ein iihnlichea Verhalten eeigen wiirden. Der Veranch hat diese Voraussetzung beatgtigt. Ich babe zuniicbst in der aromatiechcn Reihe gearbeitet und zwsr im directen Anechlueq an die Versuche von C a h o u r s , welcher beksnntlich daa Renzonitril durch Behandlong mit Schwefelwaaserstoff in Thiubenzamid iibergefiitirt hat. Giesst man reinea Isocyanphenyl in cinen mit trocknem Schwefelwasserstoff gefiillten Ballon, so beobachtet man zunSchst keine Veriinderung, alleiri nacb und nacb verliert die Fliissigkeit die Leicbtbeweglichkeit und hat sich nach Verlauf einiger Tage in ≠ gefirbte krystalliuische Masse verwnndelt , welche an der Glaewand des Gefiisaes feat anhaftet. Man nimmt P i e in Aetber auf, der sic leicbt liist, und krystrllisirt die nach dern Verdampfen des Aethers zuriirkbleibende noch unreine Substanz aua aiedendem Wasser urn. Beim Erkalten scheiden sich zarte weiche Bliittchen BUS, welche alle Merkmale eines chemiachen Individooms tragen. Sie stellen in der That das geanchte T h i o f o r m a n i l i d oder P h e n J 1 t h i o f o r m a m i d dar Die Gewinnung dea Iaocyanphenyls im Zustande der Reinheit ist I ) Caboars'. Compt rend. XXvtI, 298. --__-
doi:10.1002/cber.187701001306 fatcat:6zvdmtcxb5dsrifvgoyifswote