Karzinom und Tuberkulose

Viktor Hoffmann
1919 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
dem gleichen Tite' hat G. Herxheimer im Jahre 1917 1) fünf Fäe von Karzinom mitgeteilt, wo sich inmitten karzinomatöseii Gewebes Anhäufungen größerer epitheloider Zelleii mit Riesenzellen nach dem Larighansschen Typus fanden -also Gebilde, die morphologisch echten Tuberketh völlig gleichen. Tuberkulose der Organe konnte klinisch und zum Teil auch autoptisch nicht nachgewiesen werden, und ebenso ließen sich keine Tuberkelbazillell in den Knötchen des Karzinoms finden. Er bezeichnet diese daher
more » ... chnet diese daher als "Pseudotuberkel", die mit dem Tuberkelbazifius nichts zu tun haben, und faßt sie als Reaktion auf Fremdkörper bzw. Toxin-. einwirkungen auf, die von dem Karzinom ausgehen. Ich möchte nun eine Beobachtung mitteilen, die den gleichen histologischen Befund darbot, in der aber die Inlektion des karzinoms durch den Tuberkelbazillus nachgewiesen werden konnte. In dem Rezidiv eines Hautkarziuoms, das operativ eutfernt wurde, fanden sich reichlich epitheloide Zellháufen und darin auch Riesenzellen mit randständigen Kernen ; im Sedinieiitausstrich von Gefrierschnitten, die nach dem Antiforminverfahren behandelt wurden, waren einzelne Tuberkelbazillen zu finden. Eine von den regionären Lymphdrüsen war karzinomatös, die anderen im Sinne einer alten indurativen Tnberkulose verändert. Das primäre Karzinom, das drei Vierteljahre vorher exzidiert war, zeigt im mikroskopischen Bilde keinerlei tuberkelartige Gebi1th.. Der pathologische Vorgang ist demnach so zu deuten, daß von alten tub erkulösen Halsdrüsen aus das Karzinomrezidiv der Kopfhaut tuberkulös infiziert wurde, ohne daß eszu einer Dissemination der Tuberkulose gekommen war. Der Prozeß spielte sich, was besonders bemerkenswert ist, in inern lokal begrenzten Bezirk ab. Krankengeschichte: Es handelt sich um einen 47 Jahre alten Zigarrenarbeiter, der seit der Kindheit an Ohrenlaufen leidet und früher mehrfach skrofulöse Augenentzündung überstanden hat. -Anfang 1918 bildete sich am Kopf (direkt über der Stirnhaargrenze) ein kleines Geschwür, ds ihm im Juni 1918 operativ entfernt wurde. Die mikroskopische Untersuchung erwies ein Plattenepithelkarzinom voth Retezellentyp. Ein halbes Jahr später entstand an derselben Stelle eine kleine Geschwulst, die langsam größer wurde; gleichzeitig bildete sich vor dem linken Ohr eine Anschwellung, die ihm auffiel. Sonst hat er keine Klagen. Befund: Der Mann sieht blaß aus und befindet sich in dürftigem Ernährungszustand. -Vorn über dem linken Scheitelbein findet sich eine walnußgroße Geschwulst, die in der Haut liegt und gegen den Knochen gut verschieblich ist. Eine Operationsnarbe zieht darüber hinweg, der Tumor ist prallelastisch, abgrenzbar und nicht ulzeriert. -Direkt vor dem Tragus des linken Ohres liegt eine harte Drüse, die mit der Unterlage fest verwachsen, gegen die Haut aber verschieblich ist. -Ueber dem linken Kopfnicker liegt eine Kette von mehreren etwa kirschkerngroßen, weniger harten Drüsen, die gegen die Haut und die Unterlage verschieblich sind. (Diese bestehen, wie Patient bestimmt weiß, schon mehr als 20 Jahre.) Kein pathologischer Lungenbefund (auch Röntgenplatte). Doppelseitige chronische Otitis media: rechts ausgedehnte narbige Prozesse am Trommelfell; links tubare Perforation mit kleinem Granulom und schleimigem Sekret. Hörfähigkeit beiderseits stark herabgesetzt. Leukom der rechten Kornea.
doi:10.1055/s-0028-1137839 fatcat:fcpejd7zkrdmfg3n52pnjtrgiq