Ueber intrakardiale Adrenalininjektion bei akuter Herzlähmung

Gerold Kneier
1921 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
In der Therapie der IKreislauístörungeii bedeutete die direkte Einverleibung des Medikamentes in das Blut mittels intravenösei Injektion einen wesentlichen Fortschritt gegenüber der früher alein üblichen l)eroialen und subkutanen Verabreichung. Mit dem Augeiiblick jedoch, iii dein der Blutuinlauf iiifoge Versagens des Herzens stocict, wird auch die iiitraveiiöe Injektion von Exzitantieii erfolglos bleiben müssen. Aus diesem (irriiide kann nian es nur begrüßen, daß citie direkte Einspritzung
more » ... te Einspritzung ries Medikamentes iii das 1< a y u ni d e s H e r z e ii s bei eiiier völligeii Lähmung desselben immer mehr iii Aufnahme kommt. Deiiii diese intrakardiale Injektion stellt doch schließlich dic Therapie dar, durch die wir selbst bei völigeni Herzsti!lstaiid iioch die Möglichkeit haben, einen ört.iciien maximalen Reiz auf das Herz auszuüben. Als Medikament wird zur Zeit fast allgemein Adrenalin verwandt. Da die Lifalirungen über diese Therapie zur Zeit noch nicht allzu groß sind, glaube ich kurz über zwei Fälle von a k u t e r H erz lähmung infolge Erstickung, bei denen Adrenalin intrakardial injiziert wurde, berichten zu sollen. F a I 1 1 . Patient F. litt seit hingerer Zeit an mäßiger Atemnot, verrichtete aher trotzdem seine Arbeiten iii vollem Umfange. Da sich die Beschwerileii plötzlich verschliminerten, wurde er iii der Nacht vom 16. zum 17. V. d. J. in das Krankenhaus eingeliefert. Bei klarer, deutlicher Stimme rar ein starker inspiratorischei-Stridor vorhanden. Eine sternale Dimpfriiig sowie eine Irisdifferenz zwischen rechter end linker Arteria radialis ließen ein Aortenaneurysma as Ursache der Trachealstetiose vermuten. Durch vorübergeheiide, kurz dauernde Sauerstoffillllalatioiicu besserte sich der Zustand des Patienten, der Ptils blieb dauernd gut, das Sensoriuin frei. Gegen Morgen setzte die Atmutig gaiz plöz1icll aus, uiid trotz sofortiger Traclieotomie und der üblichen Wiederbelebungsversuche erfolgte kein aktiver Atemzug mehr. Nuii wurde eine iiitrakardiale Adrenalininjektion gemacht. Die Herzaktion setzte nicht wieder ein. Die Obduktion ergab eine fast \ollstiindige Kompression der Trachea kurz vor der Bifurkatioii durch ein großes Aortenaneurysma. A m r e e h t e n V e ntrikel ries Herzens war die Einstichstelle der Kanülc kaum sichtba r, ein Erguß im H erzbeutei bestand nicht, ebenso keine Blutung in das Perikard. F a I I 2. Patient Scli. wurde am 18. V. d. J. wegen cities Larynx. karziiioms operiert. Der Kranke hatte vor der Operation 0,03 M. und CUl Milligramni Atropin erhalteii. Die Operation selbst wurde in L ok a I a ii ä s th e s i e ausgeführt. Bei der Ausösuiig des Kehikopfes zwecks Totaiexstiipation trat ein plötzlicher Atemstillstaiid ciii, und trotz sofortiger Tracheotomie, die im Interesse der Kelinfreihaitung des Operatioiisfeldes möglichst lange hinausgeschoben worden war, blieb dic Atmung atis. Die anfängliche Zyanose des Gesichtes ging in Leichenb!ässe über. Die Gesichtszüge nahmen dell Ausdruck (les Todes an, clic Pupillen waren weit und reaktionslos, der Puls nicht zu fühlen. An diesem Zustande änderte aLich die sofort einsetzende, durch den emphysematischen, starrwandigen Thorax sehr erschwerte künstliche Atmung nichts. Sauerstoffinhalation, indirekte Herzmassage Lind subkutane hxzitantien (Kanipfer, Adrenalin) blieben absolut erfolglos. Ungefähr vier Minnten nach dem letzten Atemzuge eine Auskultation des Herzens hatte nicht stattgefunden, um die künstliche Atmung nicht unterbrechen zu müssen, und da der dabei erhobene Befund die. Therapie doch nicht hThe beeinflussen können -wurde I ccm der Suprareninstammlösung (Höchst) intrakardial injiziert. Eine halbe Minute nach der Injektion rötete sich das I eich enbiasse Gesicht leicht, der Tu rgor des Gesichtes stellte sich allmählich wieder ein, die Pupillen wurden langsam enger, und eine Kontrolle des Pulses ergab, daß dieser wieder gleichmäßig und kräftig zu fühlen war. Ungefähr anderthalb Minuten nach der Injektion erfolgte der erste aktive Atemzug. Voll nun an blieb die Atmung, obschon die künstliche Atmung sofort ausgesetzt wurde, absolut gleichmäßig, der Puls dauernd gut, sodaß die Operation ohne jede weitere Störung in aller Ruhe fortgesetzt werden konnte. Patient erhielt an dem Tage nach der Operation kleine Dosen Digalen. Irgendwelche Störungen oder Beschwerden von seiten des Herzens traten nicht auf. IS Tage nach der Operation starb Patient plötzlich -. wie die Ob. duktion ergab -all einer Lungenembolie, die von einer Thrombose am rechten Bein ausgegangen war. Am Herz e n und a ni Perikard wiesen bei der Sektion keinerlei Spuren mehr auf die vorangegangene intrakardiale Adrenalin j nj ekdon hin. Die intrakardiale Adrenalininjektion wurde mithin in zwei Fällen von Erstickung angewandt. 1m ersten Falle wai die Ursache der sekuiizlären Herzlähmung eine fast komplette Konitiression der Trachea, die Injektio:i blieb ergebnislos. Im zwrieii FaIc wurde die Erstickung und die dadurch bedingte Herz-Dieses Dokument wurde zum persönlichen Gebrauch heruntergeladen. Vervielfältigung nur mit Zustimmung des Verlages.
doi:10.1055/s-0028-1141140 fatcat:cpjiaotckfapjo2yvmfnec427a