Mirandolinas lazzi [chapter]

Dieter Steland
Der komische Körper  
EPOCHEN UND STILE DER KOMIK beginnt, von einem Adagio gefolgt wird und erneut in ein Presto (oder Prestissimo) mündet. Nicht nur die Einlagen zwischen den Akten sind ballettartig, auch die Sprechszenen sind ähnlich komponiert. So muss man, wenn man irgend kann, Molière vorgestellt sehen, wenn man ihn liest. Die variierte, parallel und kontrastiv eingesetzte, körperliche Bewegung der Schauspieler gehört ebenso dazu wie die (nicht zu vernachlässigende) ideelle Thematik. Sganarelle hätte nichts
more » ... lle hätte nichts lieber getan, als auf seine Heirat zu verzichten. Doch da gibt es den Bruder der Dorimène (gespielt von Benno Besson), der ein Haudegen ist und ihn mit gezogenem Säbel dazu zwingt, sein Versprechen einzulösen. So muss Sganarelle denn die kokette Dorimène heiraten, die ihm zweifellos in Bälde die Hörner aufsetzen wird, vor denen er sich so fürchtet. Jürgen von Stackelberg Mirandolinas lazzi In einer Herberge sind drei Herren der besseren Gesellschaft abgestiegen und kommen über die Wirtin ins Gespräch; zwei von ihnen geben zu erkennen, dass sie sich um die Gunst der schönen Mirandolina bewerben, während der dritte, ein barscher Frauenfeind mit dem sprechenden Namen Ripafratta -Uferbruch, sich vernehmen lässt: Viermal 1 höher schätze er einen tüchtigen Jagdhund (I/4) . Als Mirandolina hinzukommt, wird sie von Ripafratta in ruppigem Ton angewiesen, ihn mit besserem Weißzeug zu versorgen, und hört von den beiden anderen Herren, sie müsse verstehen, dass sie es mit einem »nemico delle donne« -»Frauenverächter« zu tun habe (I/5). In ihrem Selbstgefühl gekränkt, nimmt Mirandolina sich vor, diesem Ripafratta zu zeigen, was er Frauen schuldig ist; wohlgemerkt: nicht nur ihr schuldig ist, sondern dem weiblichen Geschlecht insgesamt, denn die Frauen sind, so sagt sie mit stolzem Selbstbewusstsein am Ende ihres Monologs: »[L]a miglior cosa che abbia prodotto al mondo la madre natura« (I/9) -»das Beste [...], was die Mutter Natur in der Welt hervorgebracht hat«. Statt den Cameriere zu schicken, klopft Mirandolina, mit dem geforderten feineren Weißzeug auf dem Arm, selbst an Ripafrattas Tür. Damit beginnt sie ein Verführungswerk, das ihr dank einer Doppelstrategie gelingt. Sie hat durchschaut, dass dieser Weiberfeind im Grunde 1. Zitierte Ausgabe: Carlo Goldoni: La Locandiera, introduzione di Luigi Lunari, cronologia, bibliografia e note di Carlo Pedretti, Mailand 1976 (BUR).
doi:10.14361/9783839401644-038 fatcat:zjewxko33bdf5lz6cogzizhmle