Beitrag zur Ungiftigkeit des Adalins

H. Raschkow
1911 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
In No.45 dieser Wochenschrift hat Herr Dr. Fromm über einen Fall berichtet, der für die Ungiftigkeit des neuen Schlafmittels "Adalin" spricht. Ich verfüge über einen ähnlichen Fall, den zu erwähnen ich für wichtig halte. Ueber meine Erfahrungen mit Adalin habe ich in der Medizinischen Reform" 1911 berichtet. Ich verfüge jetzt über mehr als 100 Fälle, und meine Erfahrungen gehen dahin, daß die therapeutische Dosis zwei Tabletten à 0,5 = 1 g im allgemeinen einen 5-6 stündigen Schlaf erzeugt.
more » ... chlaf erzeugt. Kiirzlich hatte ich nun Gelegenheit, einen Fall zu beobachten, in dem nicht wie bei Herrn Kollegen Fromm neun Tabletten Adalin, sondern nur sechs Tabletten = 3 g gegeben wurden. Dies ist immerhin eine Dosis, die die therapeutische übersteigt. Eshandelt sichumeinen3l jährigenMann, derwegen neurasthenischer Beschwerden täglich abends 1-2 Tabletten Adalin à 0,5 g nehmen sollte. Aus Versehen gab ihm seine Frau eines Abends sechs Tabletten. Darauf sank er nach seiner Angabe in tiefen, traumlosen Schlaf, der ohne Unterbrechung etwa 40 Stunden anhielt. Als er nach zwei Tagen mich wieder aufsuchte und mir davon Mitteilung machte, merkte man ihm nichts mehr an. Sensorium frei, Reflexe, Sensibilität, Appetit, Ham-und Stuhlentleerung warn normal. Auch in den nächsten 14 Tagen, in denen der Mann noch in meiner Behandlung blieb, stellten sich keine Störungen ein, die eine Folge der Adalinvergiftung gewesen wären. Wir besitzen also in dem Adalin ein leichteres Hypnoticum, das ruhig jedem Patienten in die Hand gegeben werden kann. 2294
doi:10.1055/s-0028-1131147 fatcat:v4mjzkcgxfcoxdtdlxnwzu5zp4