Karies- und Erosionsschutz durch Thymian? In vitro und in situ Untersuchungen zur Wirksamkeit

Gesche Wittpahl, Franziska Gaunitz, Alexandra Gleß, Isabelle Kölling-Speer, Sabine Basche, Sandra Pötschke, Christian Hannig, Karl Speer
2014
Zusammenfassung Thymian ist Bestandteil vieler Mundwässer und Zahnpasten. Neben seiner erfrischenden und aromatischen Wirkung werden auch antibakterielle Eigenschaften diskutiert. Insbesondere für Streptococcus mutans -den Leitkeim der Kariogenese -konnten für das ätherische Öl von Thymus vulgaris bereits in vitro antibakterielle Wirkungen nachgewiesen werden. Neben T. vulgaris kommen laut dem europäischen Arzneibuch allerdings auch T. zygis sowie T. serpyllum s.l. für den Einsatz als
more » ... nsatz als Arzneidroge in Frage. Daher wurden die ätherischen Öle von T. vulgaris, T. zygis, T. serpyllum s.l. und auch T. pulegioides durch Wasserdampfdestillation extrahiert und mit GC-MS/MS bzw. GC-FID charakterisiert und quantifiziert. Hier gelang mit Hilfe von Standardsubstanzen, Massenspektren, Retentiondsindices, Literaturdaten und dem Vergleich mit der NIST-Datenbank die Identifizierung von 60 Verbindungen. Ferner wurden die Öle auf ihre in vitro antibakterielle Wirkung gegen Streptococcus mutans untersucht. Neben dem weit verbreiteten Trübungstest und der CFU-Bestimmung wurde auch ein schnelles Vitalfärbeverfahren (LIVE/DEAD®BacLight TM ) eingesetzt. Alle untersuchten Öle hatten eine gute antibakterielle Wirkung. Neben den ätherischen Ölen stehen in der Mundhygiene auch wasserlösliche Polyphenole im Fokus. Forschungen ergaben eine sehr gute antibakterielle Wirkung der Polyphenole in Camellia sinensis sowie in Cistus incanus. Für wässrige Thymian-Extrakte wurden bisher lediglich in einem Literaturbeitrag in vitro sowohl eine antibakterielle Wirkung gegen Streptococcus mutans als auch ein Adhäsionsschutz durch die reduzierte Bildung eines bakteriellen Biofilms belegt. Diese Eigenschaften sollten im Rahmen der vorgestellten Arbeit vertieft untersucht werden. Daher wurden der wässrige Extrakt eines Thymian-Tees (T. vulgaris) zunächst charakterisiert. Dabei konnten mit HPLC 27 wasserlösliche Polyphenole identifiziert und einige Hauptverbindungen quantifiziert werden. Zudem wurden mit GC-FID auch Spuren von flüchtigen Verbindungen detektiert. Der durchgeführte in vitro Trübungstest zur Bestimmung der antibakteriellen Wirkung des wässrigen Extraktes gegen Streptococcus mutans konnte allerdings keine Wirksamkeit aufzeigen. Der wässrige Extrakt wurde weiterhin für die in situ Bestimmung der antibakteriellen Wirkung und des Adhäsionsschutzes eingesetzt. Dazu wurden sechs Probanden spezielle Schienen mit Schmelzprüfkörpern aus Rinderschneidezähnen angepasst. Nach dem Einsetzen in den Mund erfolgte die 10-minütige Spülung mit dem wässrigen Extrakt, und anschließend ein 8-stündiges Tragen. Durch Anfärbung mittels DAPI wurde die Bakterienadhäsion beurteilt, die -im Vergleich zur Kontrolle -nach der Spülung deutlich reduziert war. Die Anfärbung der Schmelzplättchen mit der LIVE/DEAD®BacLight TM Vitalfärbung ergab, wie auch in vitro, nur eine geringe antibakterielle Wirkung. Für einen in situ Erosionstest trugen Probanden ebenfalls Schienen mit Schmelzprüfkörpern aus Rinderschneidezähnen. Nach einer 10-minütigen Spülung mit dem wässrigen Extrakt und weiterem Tragen für 19 min wurden die Schmelzprüfkörper in Salzsäure verschiedener Konzentrationen gelegt und die Calcium-und Phosphatfreisetzung beobachtet. Dabei erwies sich das Spülen mit Thymiantee als wenig wirksam. Somit tragen die wässrigen Extrakte in situ zum Adhäsionsschutz bei, während eine in vitro antibakterielle Wirkung nur bei den ätherischen Ölen beobachtet wurde.
doi:10.5073/jka.2014.446.027 fatcat:uolnzbo3nzfg3i2woyvvnie42y