Journal-Revue

1893 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Zur Erklärung mancher Beobachtungen, welche mit den herkömmlichen Anschauungen nicht in Uebereinstimmung zu bringen waren, hat Verfasser eingehende Untersuchungen über die Entstehung mid Verbreitung des "Larynxoedems" angestellt. Es ergaben sich dabei einige wichtige Schlüsse, von denen einzelne hier angeführt seien : "Ein an der VorderfilLehe der Epiglottis entstehendes Oedem wird sieh niemals über den freien Rand der Epiglottis in das Innere des Larynx fortpflanzen". "Das Oedem der
more » ... edem der aryepiglottischen Falten wird bei den vom Pharynx fortgeleiteten Oedemen nicht sowohl von der Epiglottis , als vielmehr von der hinteren seitlichen Pharynxwand fortgeleitet." "Wiihrend ein Oedem der aryepiglottischen Falten bei embryonaler Form der Epiglottis wegen der möglichen Ventilwirkung während der Inspiration höchst gefährlieh ist, kailn ein Oedem von gleicher Intensität bei gut entwickelter Epiglottis lange nicht gleich intensive Störungen hervorrufen." Ein unter dem Stimmbande auftretendes Oedem kann zwischen Schleimhaut und Muskulatur des Stimmbandes nur bis zum Rande des letzteren vordringen ; schwillt aber ein Stimmband bei Oedem an, so ist diese Volumszunahme lediglich auf Rechnung des Oedems des intermusculären, fibrillären Gewebes zu setzen.' Die vom Verfasser angestellten Untersuchungen sind ausserordentlich lehrreich und geben fiber manche bisher noch dunkle Beziehungen bei der in Rede stehenden Erkrankung wichtige Aufschlüsse. Maximilian Bresgen (Frankfurt a. M.). Georg Avellis, Bemerkungen über das acute primäre Larynxödem mit besonderer Berücksichtigung des Jodödems. Wien. med. Wochenschrift 1892 No. 46-48. Verf. will nut Recht nur den Zustand als Larynxödem aufgefasst wissen, in welchem es bei starker Transsudation aus den Blutgefässen zu einer kürzere oder längere Zeit dauernden, die Norm Ubersteigenden Durchtränkung der Gewebe mit dem flüssigen Bluttranssudate kommt. Ferner hält Verf. es nicht für zweckmässig, das Larynxödem in die Rubrik Laryngitis acuta vollkommen einzuschliessen, da es Fälle von Larynxödem giebt, die mit einer Laryngitis nicht combinirt sind. Verf. scheinen nur zwei von einander im Verlaufe ganz verschiedene Formen von acutem Larynxödem vorhanden zu sein: 1) das einfache, nicht iafectiöse, benigne und 2) das infeetiöse (septische) maligne Oedem, woraus sich die Prognose von selbst ergiebt. Von der zweiten Rubrik scheidet er das primäre Larynxerysipel aus. In die erste Rubrik gehören nach Verf.: 1) das idiopathische Oedem; 2) das traumatische Oedem; 3) das angioneurotische Oedem; 4) das Arzneiödem (Jod, Quecksilber) (?). Verf. bespricht dann günstig verlaufene Fälle von idiopathischein, Verbrennungs-, traumatisehem und Jod-Oedem. Bei einem der letzteren Fälle war besonders auffallend, dass nur die nervengesunde Larynxseite ödematös wurde, während die linke Seite, an welcher eine Recurrensparalyse bestand, frei blieb. Wenn wir uns auch vor der Hand bei der Erkenntniss der eigentlichen Ursachen des Jodödems mit dem Worte Idiosynkrasie begnügen, so möchte Verf., gestützt auf obigen Fall, die Collegen anregen, den etwaigen Einfluss der Neurosen bei den Jodintoxicationen ganz besonders in Erwägung ziehen zu wollen. Sehaeffer (Bremen). E. J. Moure et V. Rauhin, Contribution l'étude des manifestations de la syphilis sur les tonsilles pharyngée et préépiglottiques (3e et 4e amygdales). Revue deLaryngologie, d'Otologie et de Rhinologie 1891 No. 6 u. 7. Aus der längeren Arbeit der Verfasser heben wir hervor, dass sie gegen die Verdiekungen, bözw. Vergrösserungen der am Zungengrunde vorhandenen Balgdrüsen den auch von anderer Seite bereits enipfohlellen elektrischen Brenner als besonders wirksam bezeichnen. Gegen die syphilitisch erkrankte Rachenmandel, sofern auf anderem Wege keine Rückbildung der letzteren eintritt, empfehlen sie die Abtragung mit dem Gottstein'schen Messer. Bezüglich der in solchen Fällen auftretenden Erkrankung der Ohren betonen die Verf., dass diese weniger von gleichartiger Erkrankung der Gaumenmandeln, als vielmehr am häufigsten von solcher der Rachenmandel abhängig sei. Maximilian Bresgen (Frankfurt a. M.) O. Chiari, De la pachydermie du larynx et principalement du pli inter-aryténoidien. Revue de Laryngologie, d'Otologie et de Rhinologie 1891 No. 1. Verfasser hat einige Fälle von Pachydermia diffusa genauer untersucht und dabei gefunden, dass hie hintere Kehlkopfwand eine besondere Neigung, an jener zu erkranken, besitze. Hierbei kommt es, abgesehen von Verdickung des Epithels, auch zu solcher des Bindegewebes der Schleimhaut, sowie zur Wulstbildung des letzteren, während an den Stimmbändern nur Epithelverdickung sich geltend mache. Damit verknüpfe sich die Bildung grosser Papillen, sowie eine Verhornung der oberflächlichen Epithelschichten. Als Ursachen könnten aile Reizzustände des Kehikopfes, insbesondere auch Missbrauch geistiger Getränke in Betracht kommen. Maximilian Bresgen (Frankfurt a. M.). Schäffer, Pharyngitis acuta infectiosa phhegmonosa. Monatsschrift für Ohrenheilkunde 1892 No. 7. Der 45jährige Patient war unter Schüttelfrost mit heftigen Schluckbeschwerden und Kurzathmigkeit erkrankt. Die Tonsillen und die hintere Pharynxwand waren mässig geröthet, die Epiglottis turbariartig zusammengezogen, infiltrirt , namentlich links daumendick, ödematös, erysipelatös aussehend, die Aryfalten mässig geröthet, ebenfalls ödematös aussehend. Die Stimme war nicht heiser. Herzdämpfung bedeutend vergrössert, Fieber nicht vorhanden. Da nach \Terfasser die Dyspnoe eher auf eine beginnende Herzlähmung, als auf die Infiltration zurückzuführen war, wurde von der Tracheotomie vorläufig Abstand genommen: Tiefe Ineisionen in die infiltrirten Partieen , Wein , Cognac , Aetherinjectionen , schliesslich Einführung eines Schrötter'scheri Hartgummirohres No. 7, durch welches Patient gut athmen konnte. Nach kurzer Besserung sank Patient bei ganz guter Athmung plötzlich todt uni. Die Section bestätigte die Diagnose einer Pharyngitis acute infectiosa phiegmonosa : Epiglottis geröthet , die Schnitte durch die wie eine blutreiche Muz aussehenden aryepiglottischen Falten, resp. Gewebe nach den Sinus pyriformes und dem Oesophagus zu ganz von Eiter punktförmig durchsetzt. Der Larynx völlig frei. Das Herz doppelt so gross als normal ; die Muskulatur sehr verdünnt, verfettet. Die Lunge sehr blutreich, lufthaltig. Der Tod war also durch Herzlähmung erfolgt, und wäre daher eine Trecheotomie nutzlos gewesen. Koch (Braunschweig). V. Ranke, Die Intubation ini Jahre 1890/91. Referat, erstattet in der Section für Kinderheilkunde der Naturforscherversaninilung zu Halle 1891. Münchener inedicin. \\rochenschrift 1891 No. 40. Escherich, Ueber die Indicationen der Intubation bei Diphtherie des Larynx. Wiener kIm. Wochenschrift 1891 No. 7-8. Jacques (Marseille), Intubation du larynx dans le croup. Revue des maladies de l'enfance 1891, Janvier. Die Sanimelforschung über die Behandlung der diphtheritisehen Larynxstenose im letzten Jahre erstreckt sich über 365 Fälle von Intubation und 237 Tracheotomieen. Erstere Operation ergab 40,5 0/0, letztere 34,3 O/ Heilungen. In 83 Fällen von Tubage wurde nachträglich noch tracheotomirt, wobei sechs mal ein glücklicher Ausgang erzielt wurde. So gross auch der Einfluss sein mag, welchen der j eweilige Charakter der Diphtherie auf den Erfolg der einen oder anderen Operation ausübt, so schreibt y. Ranke doch mit Recht einen Antheil an der steten Besserung der Intubationsresultate einmal der Vervollkommnung des Instrumentariums zu, welche z. B. den vor mehreren Jahren noch häufigen Decubitus am unteren vorderen Tubenende jetzt als eine Seltenheit erscheinen lasse ; dann spielt aber auch wohl die zunehmende Vertrautheit mit der Handhabung eine mitwirkende Rolle. Der Frage nach der Differentiahindication für Tubage und Tracheotomie, welche y. Ranke unbeantwortet lässt, tritt Esoherich näher. Auf Grund seiner Erfahrung, welche er als Assistent dei Münchener Universitätsklinik gewonnen hat, wägt er die Vorzüge und Nachtheile des Intubationsverfahrens gegen einander ab. Zu ersteren gehören die rasche und leichte Ausführbarkeit, Vermeidung der Narkose, sowie einer Wunde und deren Folgen, kürzere und bequemere Nachbehandlung. Dein gegenüber steht neben dem bisweilen quälenden Hustenreiz, ferner dem häufigen Verschlucken bei der Nahrungsaufnahme, namentlich die mühsame und schwierige Expectoration der Membranen und des Secretes aus Trachea und Bronchien, ausserdem eine im Vergleich zur Tracheotomie erschwerte Lungenventilation. Aus diese1n Grunde räth E sehe ri ch zur Intubation nur bei leichteren Fällen mit gutem Kräftezustand ohne septische Erscheinungen und langsam sich entwickelndei Stenose, solange die Erkrankung den Kehlkopf nicht oder nur um cmi geringes überschritten hat". Die andernfalls in ihr Recht tretende Tracheotomie hat auch dann der Tubage nachzufolgen, wenn nach Ablauf von etwa fünf Tagen die Erscheinungen dei Larynxstenose noch fortdauern, sobald der entzündliche Process Bronehien und Lungen ergriffen hat oder die Ernährung auf allzu grosse Schwierigkeiten stösst. Die letzteren dürften sich übrigens. wenn auch nicht mit Hülfe der Nasenschlundsonde, so doch häufig mit den von Jaques gerüIimten Nährklysmen per rectum beheben lassen.
doi:10.1055/s-0028-1144047 fatcat:fh5ihceiebhnvhra6kbcv5daq4