Ueber den quantitativen Nachweis von Fäulnis- und Gärungsprodukten in den Fäzes

Hans Ury
1904 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Die Anschauung, daß wir in der quantitativen Bestimmung der in den Urin übergehenden aromatischen Produkte der Eiweißfäulnis ein sicheres Kriterium für den Umfang der im Darmkanal vor sich gehenden Eiweißfäulnis besitzen, ist allmählich mehr und mehr ins Wanken geraten. Die Grunde hierfür sind mannigfaltiger Natur: wir wissen, daß ein großer Teil der gebildeten und resorbierten Fäulnisprodukte im Körper oxydiert und zerstört wird, und nur ein 8chwer berechenbarer Anteil in unverändertem Zustand
more » ... verändertem Zustand durch den Ham entleert wird; es ist festgestellt, daß zwischen den ausgeschiedenen Mengen der einzelnen Fäulnisprodukte kein vollkommener Paral.lelismus besteht und daß eine Bestimmung der Gesamtmengen der Fäulnisprodukte vermittelst der Bestimmung der Aetherschwefelsäuren schon deswegen undurchführbar ist und kein direktes Maß der Eiweißfäulnis gibt, weil die Fänlnisprodukte sich zum Teil mit der flykuron8ure paaren können. Aus diesen und anderen Gründen, deren Aufzählung hier zu weit führen würde, vermag man mittelst der No. 19 Urinuntersuchuag nur ganz grobe Abweichungen von der Norm zum Ausgangspunkt Von thagnostschen Schhissen zu machen, und mit Recht gibt daher Blumenthal') der quantitativen Bestimmung der Aetherschwefel.uren keinen Vorzug vor der schätzungsweisen Be-Stimmung des Indoxyls und Phenols im Urin. Ebenso mißlich steht es mit dem Versuch, aus der Bestimmung der flüchtigen Fettsäuren lin Tjrjn unanfechtbare Schlüsse ziehen zu wollen: wir wissen ja noch nicht einmal genau, au welchen Körpern bei der gewöhnlichen Durchschnittakost die flüchtigen Fettsäuren vorzugsweise gebildet werden. Während z. B. Rokitanski!) die flüchtigen Fettsäuren im Unu von der Gärung der Kohlehydrate im Darm ableitet, behauptet in neuerer Zeit wiederum Rosenfeld,a) daß die flüchtigen Fettsäuren, die nur durch Bakterientätigkeit entstehen können , zum überwiegenden Teile aus dem Eiweiß gebildet werden. Die Schwierigkeiten der
doi:10.1055/s-0029-1187505 fatcat:zxa5y23fjnew7cha5vmvf6ovgi