Koh 5,17-19 – Offenbarung durch Freude [article]

Norbert Lohfink, Universitaet Tuebingen
2020
Koh 5,17-19 handelt von il!:i ., -iwtt ::i,o, dem »vollkommenen Glück« 1 . Wie Kohelet schon vorher gesagt hatte 2 und auch später weiter sagen wird 3 , besteht das »vollkommene Glück« darin, »daß jemand ißt und trinkt und das Glück kennenlernt durch all seinen Besitz, für den er sich unter der Sonne anstrengt während der wenigen Tage seines Le bens, die Gott ihm geschenkt hat -denn das ist sein Anteil« (5,17). Um das zu begründen, entwickelt Kohelet in Vers 19 einen zweistufi gen Beweisgang 4
more » ... i gen Beweisgang 4 : ,.,.,n "r.i.,-nic i:>T" i'Oin ic', .,:, i:J, nnr.iiu:J mm c"n,icn .,:, weil er nicht so oft daran de�en muß, wie wenig Tage sein Leben zählt, weil Gott ihn beschäftigt mit der Freude seines Herzens. 1 Ich gebe im folgenden meine eigene Übersetzung. Vgl. N. Lohfink, Kohelet (Neue Echter Bibel; Würzburg: Echter Verlag, 1980), sowie für Koh 5,12-16 und die Wiedergabe von r�J7 durch »Geschäft« N. Lohfink, »Kohelet und die Banken. Zur Übersetzung von Koh. v 12-16,« VT 39 (1989) 488-495. 2 Koh 2,10.24; 3,12f.22. 3 Koh 8,15; 9,7-9. Zu dieser Textreihe über die Freude, ihren Zusammenhang und ihre Bedeutung für das Buch als ganzes vgl. R. N. Whybray, »Qoheleth, Preacher of Joy,« JSOT 23 (1982) 87-98. 4 Nach R. Gordis, Koheleth -The Man and His World. A Study of Ecclesiastes (New York: Schocken, 3 1973) 256, ist Koh 5,17-19 ein Hyperbaton: Vers 19a gibt die Begründung für Vers 17, Vers 19b die für Vers 18 (übernommen bei G. Og den; Qoheleth [Readings -A New Biblical Commentary; Sheffield: JSOT, 1987) 87). Aber warum sollte Kohelet nicht mit einer zweistufigen Begründung arbei ten? Vgl. Koh 2,22f.25f; 6,llf; 8,6f; 9,4f.llf; 11,8. In 5,17 gibt es schon eine durch .,:, eingeführte Begründung am Ende des Verses, und Vers 19a paßt zu ihr in keiner Weise als Fortführung -ungewollt macht die Übersetzung von Gordis (S. 170) das auch deutlich. Man könnte jedoch fragen, ob das -,=, in Vers 19b nicht adversativ sei (vgl. unten Anm. 45). IV »singen« zu betrachten. 11 Unser m» 1. . An bekannten jüdischen Auslegern lassen sich noch Mose ben Maimon und David Kimchi nennen. Alle diese Gelehrten mußten von der targumischen Tradition Abstand nehmen, die die Wurzel m» III »niedergebeugt, bedrückt sein« voraus setzte. Vgl. P. S. Knobel, Targum Qoheleth. A Linguistic and Exegetical lnquiry (Ph.D.-Dissertation, Yale University, 1976) 222 Anm. 1. Es scheint im Mittelalter sogar eine Tradition gegeben zu haben, Koh 1,13 und 3,10 als n-7 (Piel von rm III) zu vokalisieren. Vgl. den Hinweis bei 0. Kaiser, ,.Die Sinnkrise bei Kohelet,« in: Rechtfertigung, Realismus, Universalismus in biblischer Sicht (FS A. Köberle; hg. v. G. Müller; Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1978) 3-21 = ders., Der Mensch unter dem Schicksal. Studien zur Geschichte, Theologie und Gegenwartsbedeutung der Weisheit (BZAW 161; Berlin: de Gruyter, 1985) 91-109, hier: 109 Anm. 46, unter Hinweis auf ein Geniza-Fragment. Kürzlich ist J. L. Crenshaw, Ecclesiastes. A Commentary (OTL; Philadelphia: Westminster, 1987) 125, zur Wurzel rm III zurückgekehrt, ohne jedoch die targumische Tradition zu erwähnen, ein Piel herzustellen oder näher zu erörtern, ob es zu mJI III ein Hi phil gibt. Er sagt nur, daß "one could understand the sense to be that God afflicts the person by the constand presence of thoughts about the good life.« Dann ent scheidet er sich aber für m» II. Er fügt nur hinzu: ,.Perhaps both nuances are present, for preoccupation with pleasure is vexing to those who cannot enjoy life and those who can.« Letzteres ist zweifellos wahr. Doch in diesem Text spricht Kohelet von denen, die sich des Lebens freuen können, weil Gott ihnen das ge schenkt hat. 13 Eine keineswegs vollständige Liste: Delit7.
doi:10.15496/publikation-46616 fatcat:4qi4fj2anbgc7l6pslbu55zhw4