Widersprüche zwischen Kritischem Rationalismus und religiösem Glauben als Quellen wirtschaftsethischer Prinzipien – Anmerkungen zu Hans G. Nutzingers Folgerungen für die Wirtschaftsethik

Andreas Haaker
2016 zfwu. Zeitschrift für Wirtschafts- und Unternehmensethik. Journal for Business, Economics and Ethics  
1. Problemstellung Im Rahmen seiner Rezension zu Hans Alberts Buch Kritik des theologischen Denkens (2013) schlägt Hans G. Nutzinger (2015: 436) eine Brücke von der Diskussion über die kritisch-rationalen Grenzen des Religionsgebrauch zur "wirtschaftsethischen Praxis von Unternehmen", 1 indem er die Folgen des von Albert (1991) als Denkmethode und Lebensweise vertretenen Kritischen Rationalismus sowie des christlichen Glaubens für die Wirtschaftsethik skizziert und "beide Denkrichtungen"
more » ... krichtungen" gleichermaßen als "wichtige Quellen für die Gewinnung und Formulierung ethischer Prinzipien in diesem Bereich" wertet. Somit erweckt er den Eindruck, beide Denkrichtungen könnten in einer sich ergänzender Weise als Prinzipiengeber der wirtschaftsethischen Unternehmenspraxis herangezogen werden, ohne sich dabei in Widersprüche und rational unlösbare Schwierigkeiten zu verstricken. Wie ist dies vom Standpunkt der wirtschaftsethischen Unternehmerpraxis aus zu beurteilen? 2. Widersprüche zwischen Kritischem Rationalismus und religiösem Glauben aus Sicht der Wirtschaftsethik Nutzinger (2015: 436) weist zu Recht darauf hin, dass dem Kritischen Rationalismus "eine Ethik der Wahrheitsfindung zugrunde" liegt und diese Denkrichtung deshalb unter Verzicht von nur scheinbaren Letztbegründungen "die Vorläufigkeit aller Problemlösungen" betont, wegen der "eine Bereitschaft zu steter Revision und eine stete Suche nach neuen Lösungen" erforderlich ist. Dass diese wohl "wichtigsten Komponenten des Kritischen Rationalismus" auch "erkennbar auf ihre ethische Qualität hinweisen" sollen, dem ist völlig zuzustimmen, zumal diese zu einem wie auch immer definierten "Unternehmenserfolg beitragen können", indem einem "methodologischen Revisionismus" gefolgt wird. Wertewandel, Ideen und Innovation werden mittels einer "regulative(n) Idee der Wahrheit" (Popper 1969: 116) gleichermaßen begünstigt. Dabei begibt sich der kritisch-rationale Unternehmer als aktiver Problemlöser (vgl. Haaker 2013) gleichsam auf die "Suche nach einer besseren Welt" (Popper 2011), wobei in der Wirtschaft "jene Ideen, aus denen unser
doi:10.5771/1439-880x-2016-2-342 fatcat:fqls575fojdlndoq45w7zbckky