VIII. Die lex lunia Norbana

Schneider
1884 Zeitschrift der Savigny-Stiftung fur Rechtsgeschichte. Romanistische Abteilung  
νόμου Ιουνίου Ουρβανοΰ (so in allen codd., nicht Νορβανον) ος ενρετής εγεγόνει· της αυτών αίρέΰεως. Gegen den Namen dieses Gesetzes sind schon längst Bedenken erhoben worden, freilich zunächst in ganz ungerecht-Zeitechrift d. Savlgny-Stlftung. V. Rom. Abth. 15 Brought to you by | New York University Bobst Library Technical Services Authenticated Download Date | 9/20/15 9:50 PM Schneider, fertigter Weise. Der Erste, der Einwendungen machte, scheint Göschen gewesen zu sein; ihm schlossen sich
more » ... schlossen sich Zimmern, Vangerow, Bethmann-Holl·weg, Rudorff, Lange, Madvig an. Rudorff nennt in seiner Rechtsgesch. Bd. 1, p. 62 das Gesetz kurz weg lex Iunia Iunia und fügt bei: "bequemer, obwohl gegen die Regel nach dem Cognomen des Einen Iunia Norbana, nicht Norbani". Ihm stimmen auch noch Kuntze, Cursus des röm. Rechts, u. Esmarch, Rechtsg. 2 Aufl. p. 301 bei. Zur Unterstützung dieser mit so grosser Zuversicht aufgestellten Behauptung beruft sich Rudorff auf Gai. 3, 56, wo Huschke las: legis itaque Iuniae Iuniae lator. Allein diese Lesart widerspricht dem nach der Studemund'schen Collation deutlichen Wortlaute der Stelle im Veroneser Codex, einem Wortlaute, welcher auch schon vor Studemund immer gelesen worden ist, und den nun auch Huschke selbst in seiner Iurisprudentia Anteiustiniana, 4. Aufl., publicirt. Die Emendation Huschke's und RudorfPs wird übrigens schon durch die einfache, längst von Mommsen in Bekker's und Muther's Jahrb. II. p. 338 Anm. gemachte Betrachtung hinfällig: Norbanus ist in der That nicht cognomen, sondern nomen gentilicium. Romanet du Caillaud, de la date de la loi Iunia Norbana, Paris 1882, und Cantarelli im Archivio giuridico Bd. 29 p. 19 geben sich grosse Mühe, dies nachzuweisen; in Deutschland hätte es dieser Anstrengungen wahrhaftig nicht mehr bedurft. Hier ist schon längst bekannt, dass die Consularfasten den Namen Norbanus immer als gentilicium gebrauchen 1 ); und vollends hat Hübner in der Ephemeris epigraphica, Bd. II p. 42, eine grosse Reihe von Gentilicien auf -erna, -enus, -ienus, -anus u. s. w. und darunter auch die So schon bei Sigonius Fasten, Hanoviae 1609, bei Orelli und dann bei Mommsen im G. I. L. Bd. I p. 538, 542, 544 zu den Jahren 671, 716, 730. Dieser Thatsache gegenüber nahm man früher an, Norbanus sei ursprünglich doch ein cognomen gewesen, der Gentilname der Norbani sei dann aber untergegangen und das cognomen an dessen Stelle getreten. Diese Ansicht theilte noch Eckhel in seiner doctrina numorum V, 262, und wie es scheint auch Orelli. Sigonius de nom. Rom. p. 352 liess bei Perpernae und Norbani unentschieden aut cognomine magis quam nomine delectati sunt aut cerje ea nobis ignota sunt. Brought to you by | New York University Bobst Library Technical Services Authenticated Download Date | 9/20/15 9:50 PM í)ie iex lunia Norbana. 227 Norbani, mit besonderer Berufung auf die Consuln der Jahre 716, 730, 768, 772 a. u. aufgeführt. Sprachlich steht also der Bezeichnung des Gesetzes als lex lunia Norbana durchaus nichts im Wege. Es ist klar, dass ein so bezeichnetes Gesetz zwei Rogatoren haben muss. Dieselben können nur entweder zwei Volkstribunen sein, wie bei der lex Plautia Papiria, so dass das Gesetz ein Plebiscit und in die republikanische Zeit zu versetzen sein würde, oder zwei Consuln, wie bei den leges Valeriae Horatiae, Aelia Sentia und vielen andern, nicht nur aus der republikanischen, sondern auch aus dem Anfang der Kaiserzeit herrührenden Gesetzen. Im vorliegenden Falle ist, da die Iunier wohl alle Plebejer sind 1 ), Beides möglich. Treten wir zuerst auf die letztere Möglichkeit ein, die Frage, ob das Gesetz von zwei Consul η herrühre. Schon durch den Umstand, dass Norbanus als Gentilname erscheint, fällt die bisherige Begründung der älteren (Noordkerk'schen), nach Du Caillaud noch von Accarias, Précis du droit rom. 1874 und nach Cantarelli auch von G. B. Mazzini, lavoro inedito, von Michon, einem Nachbeter von Accarias, und sogar von Demangeat festgehaltene, schon von Heineccius, Hugo und Göschen bekämpfte Annahme dahin, dass das Gesetz die Namen der Consuln des Jahres 671 a. u. trage. Denn in diesem Jahre war neben C. Norbanus Bulbus (nicht Baibus, wie Rudorff schreibt), L. Corn. Scipio Asiaticus Consul, und das Gesetz müsste also, wenn von den Consuln dieses Jahres rogirt, lex Cornelia Norbana heissen, wie schon Vangerow, Latini Iuniani, p. 4 A. 1, hervorhebt. Ein aus einem Iunier und einem Norbaner bestehendes Consulpaar finden wir einzig im Jahre 772/19: M. Iun. M. f. Silanus -L. Norbanus C. f. Baibus. Vgl. Dio C. 57, 18. Es scheint daher offenbar das Gesetz in dieses Jahr versetzt werden zu müssen, falls es überhaupt ein consularisches Gesetz ist. Und in der That ist dieses Datum, ') Nach Mommsen, röm. Forsch. I, 111 ist der einzige patricische Iunier, nämlich Brutus, höchst wahrscheinlich apokryph.
doi:10.7767/zrgra.1884.5.1.225 fatcat:6ypapyhy4bahjigai43krn2rdy