Titelei

1923 Zeitschrift für Agyptische Sprache und Altertumskunde  
10.-Aus dem Vorwort: "Dies Buch will die umfangreichen Reste ägyptischer Literatur, die die Arbeit der Agyptologen zutage gefördert hat, den Freunden des Altertums zugänglich machen; das meiste davon ist bisher nur dem engsten Fachkreise bekannt geworden, da es in Büchern und Zeitschriften veröffentlicht ist, die nur wenigen zugänglich sind. Und doch verdient diese Literatur gekannt zu werden, nicht nur, weil sie das älteste weltliche Schrifttum ist, das sich auf der Erde entwickelt hat,
more » ... wickelt hat, sondern weil sie uns Einblicke gewährt in ein reges geistiges Leben und in eine Poesie, die sich den Leistungen der Ägypter auf künstlerischem und technischem Gebiete wohl an die Seite stellen darf. Jedenfalls sollte niemand über die Ägypter und über die Periode der Menschheit, der sie angehören, urteilen, der diese Literatur nicht kennt. -Ich habe dieses Bach nicht für den engen Kreis der Ägyptologen geschrieben, sondern für die vielen, die Interesse am Altertume haben und denen doch das Gebiet der ägyptischen Literatur bisher unzugänglich war. Den meisten Fachgenossen dürfte es freilich auch so gehen, wie es mir selbst ergangen ist: sie werden erstaunt sein über die Menge literarischer Texte, die sich doch bereits zusammengefunden haben. -, Die Grenzen meines Buches hätte ich sehr viel weiter stecken können. Ich hätte einmal auch die demotischen Schriften der griechisch-römischen Epoche aufnehmen können; aber sie gehören doch schon einer anderen Welt an, und so habe ich lieber am Ende des späten neuen Reiches haltgemacht, wo ja ohnehin der große Bruch im Leben des ägyptischen Volkes klafft. Die deraotische Literatur wird besser einmal besonders zusammengestellt. Das gleiche gilt auch von den medizinischen und den mathematischen Büchern; beide gehören zwar, wie jetzt immer klarer hervortritt, zu den großen Leistungen der Ägypter, aber sie erfordern eine besondere Art der Behandlung und somit ein Buch für sich. Aus der unendlichen Menge der religiösen Texte habe ich nur einzelne Proben aufgenommen, weniger ihres Inhalts wegen, als um dem Leser einen Begriff von ihrer Form zu geben. Und ebenso zurückhaltend bin ich auch den unzähligen Inschriften gegenüber verfahren, auch wenn sie in poetischer Sprache gehalten sind; es kam für mich darauf an, daß die Reste der wirklichen Literatur nicht durch Entbehrliches verdeckt wurden. Gern hätte ich den Leser mit den erklärenden Anmerkungen und den Einleitungen verschont und die Ägypter allein reden lassen, aber die Welt, in die ich ihn führe, ist nun einmal eine so eigenartige, daß er sich ganz ohne Hilfe nicht in ihr zurechtfinden würde, und noch weniger würde er die Feinheiten bemerken, die ein ägyptischer Schriftsteller so gern in seine Arbeit hineinlegt. Doch habe ich mich dabei nach Möglichkeit beschränkt und bin insbesondere auf die Fragen der Religion, der Geschichte und der Geographie nicht weiter eingegangen, als es für das Verständnis der einzelnen Stelle notwendig war." Weitere Preise in ausländische* Währung nach den von der reichsamtlichen Außenhandelsnebenstelle für das Buchgewerbe festgesetzten Umrechnungssätzen für Schweizer Franken.
doi:10.1524/zaes.1923.58.1.masthead fatcat:xuf53nphuncdnomk6ehtqp2kvy