Aerztlicher Verein zu Hamburg

1884 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
herr Cu r s cli w a n n spricht über die bei der Meningitis cerebrospinalis vorkommenden Veränderungen der äusseren Haut und beschäftigt sich namentlich mit dem bisher wenig gewürdigten Auftreten gevisser Exantlienie im Initiaistadium der Cerebrospinal -Meningitis. Er bespricht eingehend 3 Fälle eigener Beobachtung, wo schon zu einer Zeit sehr auffällige Hautausschläge sich gezeigt hatten, wo irgend welche charakteristische auf eine cerebrospinale Erkrankung deutende Erscheinungen absolut
more » ... ungen absolut fehlten. Redner schliesst hieran eine Reihe diagnostischer Bemerkungen, und macht namentlich auf diejenigen Krankheitszustände aufiiierksain, mil denen solche Fälle von Cerebrospinal-Meningitis mit besonders früh auftretendem Initialexanthem, verwechselt werden könnten. Man habe in dieser Beziehung besonders den Flecktyphus, die Variola und die nicht ganz selten wit snultiplen Hautembolien einhergehende Endocarditis ulcerosa ins Auge zu fassen. -Herr Curschniann bespricht sodann einen Fall von auf seiner Abiheilung letal verlaufener fudroyanter Cerebrospinal-Meningitis, bei welcher sich die von Kiebs und Ebert beschriebenen Mikrococcen in enormer Zahl in der eitrig getrübten Ventrikelflüssigkeit fanden. Herr C. demonstrirt von diesem Fall genommene mikroskopische Präparate. Sitzung den 24. Mai 1883. Vorsitzender: Herr Cu rsch w ann. Schriftführer: Herr Al y. Debatte über den Vortrag des Herrn t.urschmann. Herr Fränkel fragt an, welche prognostische Bedeutung den Exanthemen bei der Cerehrospinal-Meningitis beigemessen werden müsse, ob iiawentlicli der liärnorrliagischen Forai eine schlechte Prognose zukäme wie hei anderii aculen lnfectiouskranklieiten. So habe er z. B. bei der Diplitheritis beobachtet, dass die mit hämorrhagisclien Exanthemen auftretenden Fälle äusserst ungünstig verliefen. Herr E i s en I o li r macht darauf aufmerksam , dass vielleicht das Verhalten des Pulses, der öfter bei der Cerebrospinal -Meningitis verlangsanit sei, von diagnostischer Bedeutung sein könne, naujeiitlich bei der Differentialdiagnose von ulceröser Enilocarditis sei dieses Zeichen wohl zu verwerthien. Herr C u rs ch ni a nu erwieclert , (lass er noch kein endgültiges Urthieil über die prognostische Bedeutung der Exanthieme hei der Cerebrospinal-Meningitis abgeben möchte. Bei verschiedenen Iiifectiouskrankliciten, z. B. Diphitheritis, Mrbilleu, Scarhatina, seien (lie hiämorrhagischen Exanthietne resp. ein häworrhagischi werden ursprünglich ilurch Hyperämie bedingter Exantheme ja voll entschieden uncünstiger Bedeutung, während wiederum bei anderen lnfectionskrankhieiten, z. B. Flecktyphus die hämorrhagische Natur (her hautausschläge die Regel und prognostisch völlig gleichgültig sei. Die Pocken hüten bezüglich der Prognose der ihnen zukommenden häinorrhagischen Exanthème sehr benierkenswerthie Verschiedenheiten. Wälireiid die Siharlacli ähnlichen, sehr oft hiämorrhagischien loitialexathieme im Schenkel-und Achseldreieck nicht von besonders schlimmer Vorbedeutung wäremi , höchstens auf Variola vera (und nicht Variolois) hindeuteten, käme der s. g. Purpura variolosa und iler von C. so benannten Variola pustulosa hiaeinorrhagica eine fast lethale Prognose zu. \Vas (his Verhalten (les Pulses bei der Cerelirospinal-Meningitis anlange, so sei ilie für die tuherculöse Basilar-Meningitis so charakteristische Pulsverh;ingsarnung l)ei jener äusserst inconstant, ja gera(hezu selten. Unter ahlemi lnfectionskraiikheiten zeichne sich gerade die Cerebrospinal-Menin-gUis durch ein sehr variables Verhalten des Pulses aus. Weitaus am häufigsten sei derselbe der Intensität des liestelienden Fie})ers entsprechend beschleunigt, nicht selteti irregulär und die Pulswellen iilä(lual. Hierauf hält Herr E isenlo h r seinen angekündigten Vortrag über die Diflerentialdiagnose (1er spinaleii Neurasthenic und der Anlangsstadien der Tabes. Vortr. hebt einleitend die zunehmende häufigkeit fituctionehler Erkrankuiigen iliit spinalen Symptomen und die wachsende Kenntniss des Pubhicun(s von (her Bedeutung exceiitrisclier Erscheinungen als Zeichen centraler Erkrankung hervor und kníipft daran die Besprechung der practisch eminent wichtigen Unterscheidung zwischen den Anfängen der Tabes und den bIos functionehlen Erkrankungsforinen des Nervensystems mit vorwiegend spinalen Symptomen. Er sucht sowohl für die vielfach übereinstimmenden s u bj oct î y e n Symptome gewisse unterscheidende Merkmale aufzustellen , als bestimmte o b j cet i ve und sicher führende Zeichen der palpablen Erkrankung der Hintersträuge in ihrem Beginne zu fixiren. Von den subjectiven Erscheinungen weist er der Eruirung der charakteristischen lancinirenden und terebrirenden Schriierzeti bei (1er Tabes (len gebührenden Platz ein, betont übrigens, dass entschieden auch hei spinaler Neurasthenic ähnliche Sehinierzattaken vorkänien. Im AlIgemeinen haben die Schmerzen der Neurasthenic keinen andern Charakter, sind gewöhnlich von Druckempfindlichkeit im Bereich der Nervenstäinme, aber nicht von der eigenthümhichen circumscripten Hauthiyperästhesie (her tabetiscben Schnieizattalen begleitet. Vortr. bemerkt, class in einzelnen Fällen im Vorstadium cher Dementia paralytica den tabetischen vollkommen gleichende lancinirende Schmerzattaken vorkänien, o h ne dass das geringste objective Symptom auf eine Erkrankung der Hinterstränge hinweise, dass man also auch nach dieser Richtung hin bezüglich der Diagnose vorsichtig sein müsse. Von den objectiven Symptomen, die eimien wesentlich grössern Wertli in positiver Richtung zur Diagnose der beginnenden Tabes besitzen, sind die wichtigsten: Augenmuskelstörungen, ilas Fehlen des Patellarreflexes, Anomalien der Pupillenweite und Bewegung und gewisse objectiv nachweisbare Störungen der Hautsensiljihität. Vortr. bespricht kurz die Eigenthümhichkeiten der Augenmuskellähmungen lei Tabes, macht aher speciell darauf aufmerksam, dass sicher auch bei schweren Formen von Neurasthenic und Hysterie Zustände von Parese einzelner Augenniuskein mit Diplopie vorkommen, die in ihrer Dauer etc. den tabetischen analog sind. Bei der Verwerthung des Patihlarreflexes zur Differentialdiagnose müsse man sich gegenwärtig halten, dass derselbe in einzelnen Fällen von Tabes ziemlich lange erhalten bleiben könne (Vortr. hat selbst mehrere Fälle von Conservirung cies Patihiareflexes bei ziemlich langer Dauer des ersten Stadiums der Tabes gesehen), dass auf der andern Seite der Patillarreflex auch hei Gesunden, wenn auch selten, fehlen könne. Die Phänomene der spinahen Myosis und der reflectorischen Pupihienstarre werder kurz besprochen und ausdrücklich betont, dass bei Neurasthenikern, wie auch Wilhrand hervorgehoben, die Lichtreaction der Pupillen nie eine wesentliche Störung zeige.
doi:10.1055/s-0029-1209368 fatcat:3cot5nf4ezagrl7iyjodcu5icu