Die Mission des Grafen von Daun in Brüssel 1725. Ein Wendepunkt in der Regierung der Österreichischen Niederlande?

Klaas Van Gelder, Sandra Hertel
2011 Zeitschrift für historische Forschung  
Das erste Jahrzehnt der österreichischen Regierung in den Südlichen Niederlanden 1 kann schwerlich ein großer Erfolg genannt werden. Nachdem zehn Jahre nach der Trial-and-Error-Methode verfahren worden war, brauchte das junge Regime in mehreren Bereichen eine gründliche Reform und durchgreifende Maßnahmen, um die Autorität des Generalgouvernements in Brüssel wiederherzustellen. Die Statthalterschaft von Eugen von Savoyen (1716 -1724) war nach einer adeligen Intrige gegen seinen Stellvertreter,
more » ... en Stellvertreter, Marquis von Prié, gescheitert. Sie setzte den Schlusspunkt einiger besonders unruhiger Jahre. Bis jetzt hat die Historiographie die Anfangsjahre der österreichischen Regierung eher stiefmütterlich behandelt. Über den mühsamen Aufbau der Regierung in den weitentfernten Regionen und über die Legitimierung der Macht des neuen Souveräns ist bisher nur wenig bekannt 2 . In diesem Beitrag wird ein zentraler Aspekt dieser Zeit erläutert: Die Mission von Wirich Philipp Lorenz Graf von Daun, der am 27. Januar 1725 zum Statthalter ad interim ernannt wurde. Seine kurze Amtsperiode in den Südlichen Niederlandenvon Februar bis Ende November 1725war in mehrfacher Hinsicht bedeutungsvoll: Er lenkte die vollständige Reorganisation des zentralen Brüsseler Verwaltungsapparats in die richtigen Bahnen und bereitete die Ankunft einer Statthalterin von königlichem Blut und ihre Hofhaltung vor. Nach der Darstellung der Probleme während Eugens Statthalterschaft wer-1 Die Südlichen oder Österreichischen Niederlande waren ein Konglomerat von zehn Provinzen oder Regionen, die in mancher Hinsicht autonom waren. Das Gebiet entspricht zum größten Teil dem heutigen Belgien mit dem Großherzogtum Luxemburg, aber nicht ganz. So war das Fürstbistum Lüttich ein unabhängiger Staat, der die Südlichen Niederlande territorial in zwei Teile spaltete. 2 Die umfassendste Arbeit über die Statthalterschaft von Eugen bleibt vorläufig Braubach, Prinz Eugen, 115 -215. Zu Maria Elisabeths Statthalterschaft siehe Kalmár, Kulturgeschichtliche Studien; Hamann, Maria Elisabeth; Jonckers, Maria-Elisabeth van Oostenrijk.
doi:10.3790/zhf.38.3.405 fatcat:ldeqgvunl5eszlndezetg6zs4y