6. Analfissur [chapter]

Lukas Marti, Sabrina Ebinger, Thomas Schiedeck, Alexander Herold
2019 Manual der Koloproktologie, Band 1  
Die Analfissur kann, obwohl nur einem kleinen Defekt im Analkanal entsprechend, das Leben der betroffenen Patienten stark beeinträchtigen. Typischerweise leiden die Betroffenen an Schmerzen während und nach dem Stuhlgang. Diese Schmerzen können so ausgeprägt sein, dass ein normaler Arbeitsalltag nicht mehr möglich ist. Es wird zwischen der akuten und der chronischen Analfissur unterschieden. In der Fissurentstehung und -persistenz spielt die Hypertonie des Analsphinkters eine zentrale Rolle.
more » ... zentrale Rolle. Die chronische Analfissur ist eine hartnäckige Erkrankung, die normalerweise nicht ohne Therapie ausheilt. In den letzten Jahren wurden vermehrt lokale medikamentöse Therapien angewandt um den Hypertonus zu senken. Zwar heilt ein großer Anteil der Analfissuren darunter aus, allerdings kommt es bei etwa der Hälfte der Patienten zu einem Rezidiv. Die chirurgischen Therapieverfahren sind deutlich erfolgreicher, jedoch mit einem gewissen Inkontinenzrisiko behaftet. Etwa 80 % der Fälle lassen sich mit der im deutschen Sprachraum vorrangig angewandten Fissurektomie heilen. Definition Die Analfissur ist ein rissförmiger Epitheldefekt im Anoderm, also zwischen Linea anocutanea und dem Rektum. Dieser Defekt imponiert zumeist wie ein längliches Ulkus. Es wird zwischen der akuten und der chronischen Analfissur unterschieden. Die Unterscheidungsmerkmale sind zum einen die Zeitdauer der Symptome von mehr als 6 Wochen und zum anderen sekundäre Veränderungen, wie aufgeworfene Randwälle um die Fissur, eine "Wächter"-Mariske, welche die Fissur nach außen abschließt, und ein Polyp im Sinne einer hypertrophen Analpapille am inneren Ende der Fissur (Abb. 6.1). In vielen wissenschaftlichen Arbeiten wird alleine die Zeitdauer als Definition zur Unterscheidung zwischen akuter und chronischer Fissur herangezogen. Liegt eine Grunderkrankung vor, welche die Fissur verursacht (z. B. ein M. Crohn), wird von einer sekundären Analfissur gesprochen; fehlt eine ursächliche, spezifische Erkrankung, handelt es sich um die viel häufigere primäre Analfissur.
doi:10.1515/9783110614442-006 fatcat:lkflss6lznd5lmfrywhkthqblq