Der neunte deutsche Aerztetag, Kassel am 1. und 2. Juli (Fortsetzung aus No. 28.)

1881 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
40ö X. Der neunte deutsche Aerztetag, Kassel am 1. und 2. Juli. (Originalbericht.) (Fortsetzung aus No. 28.) Herr D o h r n -Marburg betonte zuvörderst , dass gerade die Vertreter der Geburtshülfe die antiseptisehe Methode der Wundbehandlung mit besonderer Lebhaftigkeit aufgenommen hatten. War doch längst S e m m e 1 w e j s' These zu allgemeiner Annahme gelangt, dass der grösste Theil der Puerperal-fieberFälle zurückzufiihren sei auf von Aussen kommende Infection , während M. B o e h r s
more » ... . B o e h r s Statistik andererseits lehrte . dass in Preussen Seit dem Jahre 1816 mehr Frauen am Puerperalfieber gestorben sind als weibliche Personen an Pocken und Cholera. Ebenso mahnten die glänzenden Erfolge der operativen Gynäkologie unter dem Einiluss der antiseptischen Methode zur Nachfolge. Indessen Chirurgen und Gynäkologen haben es relativ leichter als der Geburtshelfer. Die verborgene Lage des Uterus hindert diesen nicht weniger, als die Unmöglichkeit, gerade in entscheidenden Momenten die Antisepsis consequent anzuwenden Dazu kommt, dass es sich bei der Geburtshilfe nicht nur urn Aerzte. sondern auch um ein niederes Heilpersonal, um grossentheils ungebildete Hebammen handelt. Leber einzelne Momente der Antisepsis in der Geburtshilfe ist man freilich einig. Finger und Instrumente sind sorgfältig zu desinficiren, ehe man sie anwendet, wenn man auch andererseits (lie Luft als Träger der Krankheitskeime ansieht. Was die Ausspülungen mit desinficirenden Flüssig-
doi:10.1055/s-0029-1196047 fatcat:pyy5na2hqrcxtap73i6ssfmlhu