ICE: ideas, concerns, expectations Die 8. Dimension der Anamnese

Bruno Kissling Co-Chefredaktor, Primarycare
unpublished
ICE. Dieses Akronym habe ich am Hausärzte-Weltkon-gress WONCA 2013 in Prag zum ersten Mal gehört. A uch meinen Kolleginnen und Kollegen aus der Schweiz war es nicht bekannt. Selbstverständlich sind die drei hinter ICE steckenden Elemente-ideas, concerns, expectations -Bestandteile jeder bio-psycho-sozial orientierten Sprech stunde. Leider aber fragen wohl die meisten von uns nicht in jeder Konsultation explizit danach. ICE ist ein potenter Reminder dafür. Erfolg und Misserfolg in der
more » ... g in der Sprechstunde Wir alle erleben es. Arzt und Patient nehmen eine Kon-sultation dann als besonders gelungen wahr, wenn bei-d e ihre Agenda zu ihrer Zufriedenheit bearbeiten kön-nen. Patientenzentriertes Arbeiten haben wir auf unser (haus-)ärztliches Banner geschrieben. Doch immer wie-der, aus unterschiedlichsten Gründen, meist unter Zeit-druck, erleiden wir einen Rückfall in ein biozen trisches und «disease»-zentriertes Arbeiten-«disease» im Sinn von «objektiver» Krankheit im Gegensatz zu «illness», dem individuellen Krankheitserleben und Kranksein des Patienten. Und fast mit Sicherheit können wir mit dem «abgekürzten» Verfahren keine Zeit sparen. Ganz im Gegenteil. Nicht selten wird es für beide Seiten kom-pliziert und trotz medizinisch korrektem Vorgehen un-befriedigend-manchmal nachhaltig. In festgefahrenen Situationen zeigen Super-oder Intervisionen immer wie der, dass der Hausarzt ganz am Anfang der ver-zwickten Geschichte den Patienten nicht genügend ein-bezogen und den Auftrag nicht ausreichend geklärt hat. ICE ist ein verlässlicher Anker zur Festigung unseres patientenzentrierten Arbeitens, i nsbesondere unter Stress.
fatcat:j6vmba2fyffxxlgb4q7miydaza