Notfalldienst

2001 PrimaryCare  
Die «Omnipotenz-Erwartungen», mit welchen wir täglich von verschiedensten Seiten her konfrontiert werden, stellen zusammen mit der gleichzeitig weit verbreiteten «Demontage unseres Berufsstandes» einen klassischen «double bind» dar (in sich widersprüchliche Aufforderung). Es handelt sich dabei um ein Kunststück in Form eines Spagats zwischen zwei Erwartungen, welche eine Contradictio per se darstellen. Dass daraus Ermüdung, Kräfteverschleiss und schliesslich Erschöpfung resultieren müssen, sei
more » ... ur nebenbei erwähnt. Wie befreien wir uns aus diesem Dilemma? Das mit den Omnipotenz-Erwartungen der Patienten haben wir ein gutes Stück selber in der Hand. Warum können wir nicht zu «unseren» Grenzen stehen -den durch medizinisch-wissenschaftliche Fakten bedingten, unseren individuell persönlichen, den durch politisch-gesellschaftliche Entscheide geprägten, den ethisch moralischen? Warum kämpfen wir gegen Windmühlen wie Don Quijote? Es gibt dafür verschiedene Gründe und Vermutungen: Folge unserer Erziehung und Ausbildung, der Konkurrenzdruck, pekuniäre Bestrebungen, narzisstische Persönlichkeitsstrukturen und viele mehr. Wer allerdings erlebt, wie befreiend und entlastend das Klären von Erwartungen und Möglichkeiten sein kann und wie positiv und verständnisvoll Patienten in der Regel -die Ausnahme bestätigt sie -darauf reagieren, sieht sich durch eine Chance bereichert, welche er nicht mehr missen möchte. Warum diese Ressource nicht nutzen? Anlass für diese Gedanken war übrigens ein kürzlicher Telephonanruf von einem aufgebrachten Facharzt, welcher sich über die «Grenzenlosigkeit» eines Allgemeinmediziners ereiferte. Sicher wäre es wünschenswert, wenn sich Ärzte und Ärztinnen aller Fachrichtungen vermehrt auf ihre eigenen Grenzen besinnen würden!
doi:10.4414/pc-d.2001.05066 fatcat:stmit4qud5fzxn5qwdxie5i4g4