XI. Iudicium legitimum

Theodor Mommsen
1891 Zeitschrift der Savigny-Stiftung fur Rechtsgeschichte. Romanistische Abteilung  
Gordians Decret von Skaptoparene. -Iudicium legitimum. 267 timation der zum Empfang sich meldenden Person; man ersparte sich ferner die gewiss oft genug vorgetragenen Bitten der Gegenpartei oder anderer betheiligter Personen um Zustellung einer Abschrift des Bescheides. Wenn die bei der Regierung eingehenden Petitionen im Kabinet erledigt waren, wurden die Bescheide nebst Anlagen nach genommener Abschrift einfach an den Stadtpräfecten geschickt und den betheiligten oder auch nicht betheiligten
more » ... nicht betheiligten Personen gestattet davon auf ihre Kosten und durch ihre Bemühung Abschriften zu beschaffen. Von diesem Standpunkt aus wird es begreiflich, dass bei denjenigen kaiserlichen Briefen und Bescheiden, welche an sich der Oeffentlichkeit übergeben werden konnten, die Insinuation in grossem Umfang durch die Proposition ersetzt ward und dass sich also diejenige Rescriptenmasse bildete, aus der die excerpirenden Juristen entnahmen, was wir der Art in unseren Rechtsbüchern aufgenommen oder angezogen finden XI. Es ist in neuester Zeit viel verhandelt worden über den Begriff, den die Römer mit iudicium tegitimum verbanden; und es ist derselbe in der That von solcher Wichtigkeit nicht bloss für das römische Civilrecht, sondern für die römische Rechtsanschauung überhaupt, dass es mir zweckmässig scheint meine von den jetzt, wie es scheint, vorwaltenden abweichende Anschauung hier vorzulegen. Wenn ich es unterlasse, auf jene unmittelbar einzugehen, so geschieht es, weil die neueste ') Während des Druckes geht mir eine kurze Abhandlung Karlovas zu 'zur Inschrift von Skaptoparene' (neue Heidelberger Jahrbücher J. 2 [1892] S. 141-146). Sie hat die Untersuchung nicht weiter gefördert und mir keine Veranlassung gegeben meinen Ausführungen etwas zuzusetzen oder daran zu verändern.
doi:10.7767/zrgra.1892.12.1.267 fatcat:7j3imxr5hraktphd3qqgcohdw4