Wissenschaft unter Druck: Vertrauensverlust oder Zeichen gewachsener gesellschaftlicher Relevanz? [chapter]

Krista Sager, Gert G. Wagner, Daniel Eggers, Wilfried Hinsch
2019 Öffentliche Vernunft?  
KristaSager,GertG.W agner Wissenschaft unterDruck: Vertrauensverlust oder Zeichen gewachsener gesellschaftlicher Relevanz? In der öffentlichen Debatte mehren sich Stimmen, die nicht nur einen gesellschaftlichen Vertrauensverlust der Wissenschaft konstatieren, sondern die Hauptschuld dafür beider Wissenschaft selbst ausmachen. Ohne Zweifel kann die Wissenschaft einiges dazu beitragen, in sie gesetztes Vertrauen zu verspielen, und tut dies auch, etwa durch Fälschungs-Skandale. Die Wissenschaft
more » ... Die Wissenschaft kann entsprechend etlichestun, um Vertrauen zu bestärken und zu rechtfertigen(siehe hierzu den Beitrag vonJürgenZöllner in diesem Band, S. 11-20). UnsereT hese aber ist: Die verstärkte Kritik, welche die Wissenschaft aus Teilen vonPolitik und Gesellschaft spürt,wirdinder Wissenschaft selbst und von kritischenB eobachtern und wohlwollenden Kommentatoren fälschlicha ls genereller Vertrauensverlust interpretiert.E sw ird verkannt,d ass die zunehmende Kritik die Folgee iner gewachsenen gesellschaftlichen Bedeutung wissenschaftlicher Expertise ist.D iese äußert sich im Kontext politischer Auseinandersetzungen und Entscheidungenauch in direkten Angriffen, und deren Ausmaßist für die meistenW issenschaftlerinnen und Wissenschaftler neu. Sie müssen lernen, dass sie weder bedingungslose Unterstützung noch blindes Vertrauen erwarten können, und sie müssen sich daraufe instellen, mit Kritik -auch der unsachlichen Art -offen umzugehen. Wenn in diesem Kontext Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler meinen, Wissenschaft stehe quasia ufgrund ihrer Wissenschaftlichkeit über jeder Kritik, ist dies sicher falsch. Hilfreich wäre hingegen eine professionelle Wissenschaftskommunikation aufB asis einerz ue tablierenden Ethik der Wissenschaftskommunikation, als Teil der Forschungsethik (zu den verschiedenen Formen der Hochschul-u nd Wissenschaftskommunikation siehe den Beitrag vonAnnetteLeßmöllmann in diesem Band, S. 73 -83). In den Abschnitten Iund II beschreiben wir das Verhältnis der Bürgerinnen und Bürgerz ur Wissenschaft und die Gründe für derenB edeutungszuwachs im politischenRaum. In den Abschnitten III und IV skizzieren wir Vorschlägefür eine Verbesserung des Verhältnisses vonW issenschaft,Gesellschaft und Politik.A b-schnittVfasst zusammen und gibteinen Ausblick.
doi:10.1515/9783110614244-004 fatcat:waqcey7f5jfcxiu4zye332766m