Das Brückner-Kühner-Haus in Kassel. Anmerkungen zur metonymischen Struktur einer Gedenkstätte [chapter]

Martin Maurach
Atelier und Dichterzimmer in neuen Medienwelten  
Von außen gibt es an der Hans-Böckler-Straße 5 in Kassel keinen sichtbaren Hinweis auf eine Gedenkstätte. Das Namensschild stammt ebenso wie das original erhaltene Klingelschild noch aus den Lebzeiten der beiden Autoren, derer hier gedacht wird: Christine Brückner und Otto Heinrich Kühner. 1 Lediglich am Briefkasten stehen Friedrich Block zufolge 2 "klein" die Namen der heutigen Bewohner bzw. Nutzer des Hauses. Das Klingelschild dagegen hat allenfalls sekundär die Funktion einer 'Gedenktafel'
more » ... ner 'Gedenktafel' erhalten, die heutzutage quasi zufällig in den Vordergrund tritt. Die Mehrdeutigkeit und die Überlagerung von Funktionen erweisen sich auf diese Weise bereits früh als ein Charakteristikum dieser Gedenkstätte. Insbesondere lässt bereits die äußere Unauffälligkeit die Problematik des Konzepts der "Referenzzeit" 3 einer Gedenkstätte erkennen: Wie fügt sich das äußere Erscheinungsbild einer Gedenkstätte in den veränderlichen Stadtraum, wenn diese per definitionem die Zeit an einem bestimmten Punkt ,anhalten' will? Der Reihenbungalow wird -was deutlich erkennbar ist -bewohnt und auch für Alltagszwecke benutzt: Es stehen Fahrräder vor der Tür. Die Zeichenbeziehung von Innen und Außen ist also komplex: Außen findet sich kein Zeichen des Musealen; es scheint sich um ein ganz ,nor-1 Im folgenden abgekürzt als CB bzw. OHK. 2 Wo nicht anders vermerkt, gehen die hier verarbeiteten Informationen auf ein Gespräch mit Herrn Dr. Friedrich Block, dem Kurator der Brückner-Kühner-Stiftung, vom 12.02.2003 zurück. Dafür sei ihm auch an dieser Stelle herzlich gedankt.
doi:10.14361/9783839403143-011 fatcat:gb7vfulfpvcatcxqwv7hlewaxa