Weitere Notiz über das Leuchten des Phosphors

C. F. Schönbein
1845 Journal für Praktische Chemie  
Es wird m a r allgemein von den Clieniilrern angenommen, dass das Leuchten des Phosphors in atmosphiirischer Luft im engsten Zusammenhange mit der Oxydation dieses Kiirpers stehe; e s ist indess meines Wissens noch nicht ermittelt worden, ob Phosphor in den Gasen, welche freien Sanerstoff enthalten, in denen jene Substanz aber bei gewiihnlicher Temperatur nicbt leuchtet, auch nicht einmal spurenweise oxydirt werde, o b also Phosphor bei gewiihnlicher Temperatur gegen nngebundenen Sauerstoff
more » ... enen Sauerstoff chemisch indifferent sich verhalte. Folgende Thatsachen diirften vielleicht uher den fraglichen Punct einigen Aufschluss geben. 1) Wird ein Stuck Phosphor von reiner Oberfliiche in ein ge- riumiges, rnit trockenem Sauerstoff gefulltes Gefiiss gebracht, so leuchtet bekanntlich jene Materie bei gewiihnlicher Temperatur in dem genannten Gase niclit. Hat der Phosphor auch Tage lang rnit dem Sauerstoff in Beruhrung gestanden, so zeigt Lakmnstinctur nicht die geringste Veriinderung, wenn sie in das Gefiiss gegossen wird; eben so wenig besitzt der iiber Phosphor gestandene Sauerstoff die Eigenschaft, den Jodkaliurnkleister oder das Guajocharz *) zu b h u e n , Pflanzenfarben zu zerstiiren, Platin negativ zu polarisiren u. s. w. Es zeigt aber dieser Sauerstoff den Geruch nach Phosphor und das Vermogen, einen in ihn gehaltenen Platinstreifen rasch positiv zu polarisiren ; welche Wirkungen, wie meine fruhern und G r o v e ' s neuereversuche diess darthun, dampffiirmigem Phosphor zukommen. 2) Bringt man ein Stiick Phosphor, rnit einem feuchten Streifen blauen Lakmuspapieres umwickelt, in eine mit reinem, aber wasserhaltigem Sauerstoffgas gefullte Flasche , so leuchtet, wie wohl bekannt, jener Korper bei gewiihnlicher Temperatur in einer *) Wie demnLchst an einem andern Orte gezeigt werden soll, ist das Ozon dem Chlor auch darin iihnlich, dass es wie dieses das Guajacharz rasch blLut. E i n Streifen Eiltrirpapier , mit Guajactinctur getrznkt ond in eine Ozonatmosphte eingefiuhrt, nimmt schnell eine blsue Fiirbung an, weshalb ouch diese Tinctur fiir Ozon beinahe ein eben so empfindliches Rengens abgiebt wie der genannte Kleister.
doi:10.1002/prac.18450360175 fatcat:bigllmjaivaq7lhdqjcbg7lr4m