Ein Instrument zur lumbalen Punktion, Injektion und Druckmessung und ein Verfahren der letzteren1)

W. Kausch
1908 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Die Lumba1pinktion läßt sich mit jeder engeren Hohinadel, die zweckmäßigerweise einen Mandrin besitzt, ausführen. Von Quinekes Punktionsnadel abgesehen, sind die zahlreichen Instramente, die heute im Gebrauch sind, in erster Linie für die Lumbalinjektion angegeben, zur Erzielung der Rilekenmarksaniisthesie. hh will nur die Instrumentarien von y. Mit, Bier, Grosse, B. Krönig, G. Krönig, Pochhammer, Tomaschewski nennen. Sie besitzen sämtlich gute Nadeln, erfüllen auch sonst ihren Zweck, und es
more » ... en Zweck, und es bestände kaum ein Grund, ihre Zahl durch die Konstruktion eines neuen Instrumentes zu vermehren. Anders steht es aber mit den Vorrichtungen, die zur Messung des Druckes im Spinalkanale dienen. So oft ich eine Druckmessung vornahm, stets hatte ich von neuem die Empfindung, daß die gebräuchlichen Instrumente und Methoden unzweckmäßig und unzulitnglich sind, auch betrdchtliche Fehlerquellen aufweisen. Zunächst möchte ich auf diese Fehler eingehen. Keines der mir bekannten Verfahren mißt den Druck, der tatsächlich im spinalen Subarachnoideairaume herrscht, sondern einen anderen, geringeren, nachdem ein gewisses Quantum von Liquor cerebrospinalis die Ri.ickenmarkshtlllen verlassen hat. Die Druckmessung geschieht bisher nach zwei verschiedenen Methoden. Bei der häufigst angewandten ergießt sich der Liquor in die Steigeröhre, seine Steighohe wird abgelesen. Bei der zweiten Methode wird ein Manometer an die Lumbalpunktionsnadel angesetzt. Wird dies Manometer mit Quecksilber gefüllt, so ist -abgesehen von den Fällen sehr hohen Druckes nur ein geringes Q uantum Liquor erforderlich, um das Quecksilber emporzutreiben. Man kann das Verbindungssttick zwischen der Nadel und der Quecksilbersäule ja sehr kurz gestalten. Nicht so einfach ist es aber, dafür zu sorgen, daß der Liquor unmittelbar, ohne dazwischen geschaltete Luft, die ja komprimierbar wäre, an das Quecksilber stößt. Schaltet man Flüssigkeit zwischen, so z. B. nach Sahli dünne Karbollösung, so ergibt auch dies leicht eine Fehlerquelle. Schwierig ist es ferner, das ganze Verfahreu so zu gestalten, daß es strengen Anforderungen der Asepsis entspricht. Ein weiterer Nachteil ist die Kleinheit des Ausschlages bei normalem, geringem Druck. Dem steht als einziger Vorteil gegenüber, daß der Verlust von Liquor ein geringerer ist als beim Wassermanometer. So kommt es, daß das Quecksilbermanometer wenig benutzt wird. Wilms empfahl es 1897 warm. Er konstruierte auch speziell für die Lumbalpunktion ein kleines Manometer, das durch einen kurzen Gummischlauch mit der Puaktionsnadel verbunden wird. Bei S ahli finde ich die Angabe, daß er das Quecksilber-dem Wassermanometer vorzieht, weil dabei weniger Liquor ausfließt. Dann hat N emenow im vorigen Jahre ein Lumbalpunktions.instrument angegeben, bei dem ein fest mit der Punktionsnadel verbundenes, an sie angesetztes Quecksilbermanometer benutzt wird. Das Instrument ist zweifellos brauchbar; alle Teile werden sterilisiert, alsdann wird das Manometer mit Quecksilber gefüllt. Ein Zweiwegehahn erlaubt nach Belieben die Einschaltung zur Druckmessung einerseits, zum Durchführen des Mandrins, zur Injektion oder zum Ablassen von Liquor anderseits. Zwischen dem Quecksilber und dem Liquor befindet sich Luft. Im ganzen will mir das Instrument auch zu kompliziert erscheinen. Ein Wassermanometer wird anscheinend nirgends verwandt. Es hätte auch gar keinen Vorteil gegenüber dem Verfahren, den Liquor direkt emporsteigen zu lassen; geht doch dabei genau die gleiche Liquormenge verloren, vorausgesetzt daß das Manometer bei Beginn der Prozedur auf O steht. Dieses Quantum ist gewiß nicht zu vernachlässigen, wenn man weite, nicht kapillare Röhren nimmt, wie das die meisten tun. Q uincke empfiehlt, das Glasrohr l,-2 mm weit zu nehmen, manche benutzen auch weitere. Der Verlust an Liquor wird noch größer, wenn der die Punktionsnadel mit dem Glasrohr verbindende Gummischlauch nicht direkt emporsteigt, sondern U-förmig herabhängt, 1) Vorgetragen auf der 80. Versammlung Deutscher Naturforscher und Aerzte in Köln 1908. 278 Dieses Dokument wurde zum persönlichen Gebrauch heruntergeladen. Vervielfältigung nur mit Zustimmung des Verlages.
doi:10.1055/s-0028-1135928 fatcat:l5r2aja3rbg7xif7mrcwqil4rm