Einige Erfahrungen über Badkonjunktivitis

W. Comberg
1921 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Als Badkonjunktivitis bezeichnete F e h r 1899 eine epidemische Bindehauterkrankung bei Besuchern eines Berliner Hallenbades. Die Infektion ist zwar häufig, aber nicht ausschließlich an S c h w i imm bäder gebunden. In neuerer Zeit hat sich die Badkonjunktivitis nicht nur in Anstalten Groß-Berlins, sondern auch an anderen Orten gezeigt. Sie ist zwar nicht zu einer ernsten Gefahr, aber doch gelegentlich zu einer rechten Plage geworden, weil sie die Befallenen oft monatelang. stark behindert und
more » ... tark behindert und längere ärztliche Behandlung notwendig machen kann. Es handelt sich uni einen zunächst nieist einseitig auftretenden, spfiter oft doppelseitig verlaufenden, vielfach recht heftigen follikuliiren I3indehautkatacrh. Zur Zeit der akuten Erscheinungen unterscheidet er sich manchmal in nichts von frischem Trachom. Der erste Sitz ist in den meisten Fällen die Konjunktiva des Unterlids und der unteren Uebergangsfalte. Nach einer Reihe von Tagen, manchmal erst nach \Xiochen, greift die Erkrankung auf das Oberlid über und lokalisiert sich in vielen Fällen schließlich am stärksten am Oberlid in der Nähe des oberen Tarsusrandes und von da nach der Uebergangsfalte zu. In ausgeprägten Fällen besteht starke Lidschwellung und Ptosis, oft sogar eine Anschwellung der präaurikularen Lymphdrüsen, nicht selten auch ein Nasenkatarrh mit Verlegung der Tuben. Die Foilikelbildung und die Injektion der Konjunktiva hält sich wochen-, ja oft monatelang auf ihrer maximalen Höhe, um allniählich abzuklingen und dabei manchmal einer papillären Hypertrophie Platz zu machen. Aus dem späteren Stadium kommt es zur Rückbildung, ohne daß Narben auftreten und ohne daß bei den in der Berliner Klinik behandelten Fällen ein Pannus, wie bei Trachom, oder eine andere Hornhautkomplikation beobachtet wurde. Die Heilung tritt schließlich auch bei den Fällen ein, die wenig oder gar nicht behandelt werden. Die Therapie kann sich auf milde Antisepsis beschränken (5ooiges Protargol zweimal täglich; höchstens alle zwei Tage einmal touchieren mit I Obigem Arg. nitr.); in den späten Stadien empfiehlt sich die Anwendung schwacher Adstringentien (Zinc, suif. '/40/oig oder Alaunstift). Wegen der Unklarheit über die Aetiologie wurden neuerdings Nachuntersuchungen an allen erreichbaren, 1919 und 1920 hier behandelten Fällen (es meldeten sich 33) durchgeführt. Auch jetzt fand sich bei keinem einzigen Patienten irgendeine Hornhautveränderun, insbesondere kein Rest VO einem Pannus. An der Bindehaut war in zehn Fällen noch eine leichte Rötung zu bemerken, die nicht als normal gelten konnte. In 20 Fällen zeigten sich noch winzige Follikelehen, jedoch 'nicht viel zahlreicher, als sic auch in sonst normaler Bindehaut vorkommen; nur in zwei Fällen bestand ein stärkerer Fohlikelhesatz. Die Bindehaut war in dei-Gegend des oberen Tarsairandes in 6 Fiillen noch etwas verdickt und enthielt ebenfalls in 6 Fällen bei der Beobachtung mit dem stark vergrößernden Zeifischen Hornhaut-¡iiikroskop feinste, subepitheliale, getrübte Streifchen, die möglicherweise feinen, neugebildeten Bindegcwebsfäserchen entsprechen. M it bloßem Auge waren aber in keinem Fall Narben zu e i. k e n n e n. Eine leichte Lidrandrötung wurde dreimal notiert. Eine deutliche Ptosis bestand bei keinem der Nachuntersuchten mehr. Dic ganzen Veränderungen waren, mit wenigen Heruntergeladen von: NYU. Urheberrechtlich geschützt.
doi:10.1055/s-0028-1140794 fatcat:jl5cb4tqojbyjnbrdjqmf7bai4