Die Abschiedsreden Jesu in dem vierten Evangelium

P. Corssen
1907 Zeitschrift für die neutestamentliche Wissenschaft und die Kunde der älteren Kirche  
P. Corssen, Die Abschiedsreden Jesu in dem vierten Evangelium. 125 Die Abschiedsreden Jesu in dem vierten Evangelium. Mit besonderer Ber cksichtigung von J. Wellhausen^ Erweiterungen und nderungen im vierten Evangelium. Von P. Corssen in Dt. Wilmersdorf b. Berlin. In dem vierten Evangelium stehen mitten in den Abschiedsreden Jesu (14, 31) die \Vorte, die er bei Matth us und Markus unmittelbar vor seiner Gefangennehmung ausspricht: έγείρεςθε, άήτωμεν εντεύθεν. Mit Recht hat Wellhausen hieran
more » ... llhausen hieran Ansto genommen, denn da diese Worte so gar keine Folge haben, da sich darauf vielmehr ohne weiteres Reden anschlie en, die reichlich so lang wie die vorhergehenden sind, und darauf noch ein Gebet folgt, beinah halb so lang wie der erste Teil der Reden, das ist in der Tat unverst ndlich und unertr glich. Aber ist darum der Schlu ebenso berechtigt, da auf jene Worte urspr nglich 18, ι ταύτα ειπών 'Irjcouc έζήλθεν unmittelbar gefolgt und da C. 15-17 ein sp terer Einschub sei? Wellhausen hat bemerkenswerte Argumente f r die Unechtheit von C. 15-17 aus ihrer inneren Beschaffenheit abgeleitet, die wir sp ter 'zu pr fen haben, aber f r entscheidend und zwingend h lt er den u eren Grund f r sich allein (S. 14). Die inneren Verschiedenheiten, die er zwischen C. 15-17 und den beiden vorhergehenden Kapiteln zu erkennen glaubt, sind ihm nur eine willkommene Best tigung des auf sich selbst ruhenden Schlusses. Ich glaube umgekehrt, da von der inneren Beschaffenheit dieser Kapitel allein die Frage ihrer Echtheit abh ngt, da von einem rein formalen Standpunkt aus auch andere L sungen der vorhandenen Schwierigkeit m glich sind. Tats chlich sind denn auch von verschiedenen Gelehrten, die vor Wellhausen in 14, 31 das Schlu wort der Abschiedsreden zu erkennen glaubten, verschiedene Vorschl ge gemacht worden. Spitta und Bacon und nach ihnen Wendt 1 haben durch die An-1 S. Wendt, Das Johannesevangelium, 1900. S. 95, Anm. 2. Brought to you by | New York University Bobs Authenticated Download Date | 5/23/15 7 120 P. Corsscn, Die Abschiedsreden Jesu in dem vierten Evangelium. n hme von Verschicbungen innerhalb der Reden eine Beseitigung des Schadens zu erreichen gesucht. Sie nehmen, mit geringen Abweichungen unter einander, folgende Ordnung als die urspr ngliche an: Spitta: 13, 33. 13, 33. 13, 21-14, 3*· Wendt: 13, 1-35· T 5, i-16, 33. 13, 36-14, 3*· Gegen alle diese Vorschl ge erhebt sich freilich derselbe Einwand, da sie zwar s mtlich die Worte άγωμεν εντεύθεν an den Schlu der Reden setzen, doch aber den Ansto , den diese bieten, kaum mildern, geschweige denn beseitigen. Denn nach der Aufforderung lassen sie ja nicht sogleich den Aufbruch, sondern zun chst das lange Abschiedsgebet folgen, das durchaus keine Eile verr t. Mag man aber auch die einzelnen Teile dieser Reden durcheinander schieben wie man will, man wird doch nie einen regelrechten Aufbau erreichen. Denn es wird nicht Punkt um Punkt abgehandelt, sondern die Rede greift fortschreitend immer wieder zur ck, so da es allerdings scheint, als k nne man sie ohne gro en Schaden auch umkehren. Bei genauerer Betrachtung aber wird man sich nicht nur berzeugen, da doch die berlieferte Reihenfolge die nat rliche ist, sondern auch da C. 15 und 16 nicht vor C. 14 gestanden haben k nnen. Entscheidend f r das Urteil scheint mir die Art und Weise zu sein, wie in den verschiedenen Teilen der Rede von dem Parakleten gehandelt wird. C. 14, 16 sagt Jesus: "Ich will den Vater bitten und er wird Euch einen ndern als Beistand geben, damit er bei Euch in Ewigkeit ist" (Κάτω έρυυτήςιυ τον πατέρα και άλλον παράκλητον δώςει ύμΐν, ίνα μεθ* υμών είς τον αιώνα ή). Dann hei t es 14, 26 weiter, da dieser Helfer, der heilige Geist, der oben V. 17 der Geist der Wahrheit genannt war, die J nger alles lehren und sie an alles erinnern wird, was Jesus sagte. *In C. 15 und 16 ist zum erstenmal 15, 26 von dem Parakleten die Rede: δταν bk ε*λθη ό παράκλητος δν εγώ πέμψω ύμΐν παρά του πατρός το πνεύμα της αληθείας δ παρά του πατρός εκπορεύεται, εκείνος μαρτυρήςει περί εμού. Diese Worte sind v llig unanst ig, wenn bereits vorher vom Parakleten die Rede war, und wenn man sich die berlieferte Reihenfolge gefallen l t, so wird man sagen, da der Zusatz το πνεύμα τήο αληθείας δ παρά του πατρός εκπορεύεται an 14, 16 und 17 erinnern soll. 16, 13 ff. wird dann in einer neuen Wendung vorgetragen, was schon 14,26 gesagt wird, n mlich da der Geist der Wahrheit der F hrer zu jeglicher Wahrheit sein wird, und hinzugef gt, da der Para-' klet nichts aus sich selber reden wird, sondern da er alles aus dem Brought to you by | New York University Bobs Authenticated Download Date | 5/23/15 7
doi:10.1515/zntw.1907.8.1.125 fatcat:yxybaxjnsnajniqj7x7qdnfef4