Die Messung der Fähigkeit zur Unterrichtsplanung im Fach Physik mit Hilfe eines standardisierten Performanztests

Jan Schröder, Josef Riese, Christoph Vogelsang, Andreas Borowski, David Buschhüter, Patrick Enkrott, Maren Kempin, Christoph Kulgemeyer, Peter Reinhold, Horst Schecker
2020 Zeitschrift für Didaktik der Naturwissenschaften  
Zusammenfassung Die Unterrichtsplanung stellt eine zentrale berufliche Anforderung an (Physik-)Lehrkräfte dar. Bereits im Lehramtsstudium sollen grundlegende Fähigkeiten zur Unterrichtsplanung erworben und im Rahmen von schulpraktischen Phasen erprobt bzw. erweitert werden. Unklar ist jedoch, inwieweit das professionelle Wissen, das Lehramtsstudierende in ihren fachlichen, fachdidaktischen und erziehungswissenschaftlichen Studienteilen erwerben, tatsächlich bei der Planung von Fachunterricht
more » ... utzt wird. Ebenso gibt es nur punktuelle Erkenntnisse über die Entwicklung der Fähigkeit zur Unterrichtsplanung im Lehramtsstudium. Um diese Fragen zu klären, sind Messverfahren erforderlich, die die Fähigkeiten zur Unterrichtsplanung valide erfassen können und die gleichzeitig ökonomisch auswertbar sind, um Fallzahlen realisieren zu können, die auch kleine Effekte auflösen. Bisherige Ansätze, die reale Handlungsproben der Unterrichtsplanung (z. B. schriftliche Unterrichtsentwürfe) untersuchen, stehen vor der methodischen Herausforderung, dass die Generierung eines Fähigkeitsmaßes höchst anspruchsvoll ist, da reale Planungen individuell sehr unterschiedlich angelegt sind und vielen Randbedingungen unterliegen, die statistisch kaum kontrollierbar sind. In diesem Beitrag wird daher ein sogenannter Performanztest zur Erfassung der Fähigkeit zur Unterrichtsplanung vorgestellt und diskutiert. Ein Performanztest ist ein Verfahren, in dem in einem realitätsnahen Setting Handlungen unter standardisierten Rahmenbedingungen simuliert werden. Neben der theoriegeleiteten Entwicklung des Instruments und Vorstudien zur Sammlung von Validitätsargumenten werden auch erste Ergebnisse dargestellt, die aus Erhebungen vor und nach einem Praxissemester an vier Universitäten in drei Bundesländern resultieren (N = 174 Unterrichtsplanungen). Dabei stellt sich das Testverfahren als ausreichend sensitiv heraus, um für N = 68 Testpersonen (ca. 20 % Dropout) erwartungstreu eine signifikante Zunahme des Testscores während des Praxissemesters, welches als Lerngelegenheit angenommen werden kann, zu messen. Abstract For every (physics-)teacher, lesson planning is a crucial professional demand. Therefore, basic skills regarding lesson planning should already be acquired during university courses and expanded during school internships. However, it is still unclear to what extent the professional knowledge, which students acquire in terms of content knowledge, pedagogical content knowledge and pedagogical knowledge, is used when planning a lesson. Furthermore, there is little evidence regarding the development of lesson planning skills during university teacher education. In order to evaluate such a development, assessments capable of a valid measurement and allowing economic scoring are required. Recent approaches, evaluating real lesson planning in action (e.g. from written lesson drafts), are lacking the capacity to produce comparable scores of planning skills. This is due to the fact that real lesson plans are very individual and underlie numerous external conditions (e.g., different topics and classes), which cannot be accounted for statistically. In this paper, we present the development and trial use of a performance assessment as a new method of measuring the skills to plan a physics lesson in a standardized and authentic way. First, we explain the theory-based development of the instrument and cover some preliminary studies regarding validity. Furthermore, results from the test use before and after a long-term-internship at four German universities from three federal states are presented (N = 174 lesson drafts). As expected, a significant increase in the test score during the internship was observed for N = 68 test persons, pointing out the instructional sensitivity of the assessment.
doi:10.1007/s40573-020-00115-w fatcat:mznf5fzubjdohmvsl4he7x5jtm