Ueber den Nachschmerz nach Operationen unter Lokalanästhesie2)

Arthur Schlesinger
1914 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Die Frage cies Nachsehmerzes nach Operationen ist in letzter Zeit mehrfach erörtert worden. Es ist jedoch dabei mehr dessen Verhütung Gegenstand der Besprechung gewesen als die Entstehung dieses Schmerzes, bzw. seine Abhängigkeit von den lokalanästhetischen Injektionen. Daß Operationen unter Lokalanästhesie einen besonders starken Wundschmerz im Gefolge haben, wird im Publikum vielfach angenommen. Oefters hört man, wenn den Patienten versichert wird, daß die Operation schmerzlos sei, die
more » ... los sei, die Antwort : "Aber nachher wird es sehr weh tun." Nun ist es aber sehr schwierig, den Wundschmerz, den die Operation als solche im Gefolge hat, und den, der etwa durch die Injektion verursacht ist, auseinanderzuhalten. Mehrere Jahre durchgeführte Beobachtungen ergaben mir beziiglich des eigentlichen Wundschmerzes Folgendes: Der Wundschmerz ist individuell sehr verschieden. Die gleiche Operation unter den gleichen Verhältnissen an der gleichen Körperstelle kann bei einem Patienten Schmerz im Gefolge haben, beim andern nicht. Das könnte ais selbstverständlich erscheinen, muß aber doch erwähnt werden, weil anderseits der Wundschmerz etwas, aber nicht sehr ausgesprochen abhängig Ist von der Lokalisation des Operationsfeldes. Im allgemeinen kann man sagen, daß, unkomplizierte Weichteiloperationen vorausgesetzt, Wundschmerz selten ist oder fehlt z. B. bei Operationen an Rücken, Achsel, Wange, Sçhädelweichteilen, daß er dagegen häufiger ist an Fingern, Hohlhand, Zehen und Nacken. Der Wundschmerz ist sehr wesentlich abhängig von der Art der Operation. Auskratzungen, Meißelungen sowie Operationen, bei denen die Gewebe stark gezerrt werden (schwierige Fremdkörperextraktionen), verursachen gewöhnlich Nachschmerz.
doi:10.1055/s-0029-1190360 fatcat:jnm6bp6gjjdwtamtr5d6iywn3m