Die Pest in Odessa (Schluss aus No. 1.)

Lydia Rabinowitsch, Walter Kempner
1903 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Schluss aus No. 1.) Naturgemäss wurden nach diesen beiden ersten Fällen die strengsten Maassregeln ergriffen, die Quarantäne wurde verschärft etc., und eine Rattenvertilgung unter spezieller Leitung G am al ej a's, des bekannten Bakteriologen, welcher ein privates Laboratorium in der Stadt unterhält, in grossem Stile angestrebt. Von der grossen Zahl von Hatten, welche von November 1901 bis Mai 1902 der bakteriologischen Station übermittelt wurden, konnten nur 2252 einer genaueren Untersuchung
more » ... eren Untersuchung unterzogen werden. Unter diesen meistentheils aus der Hafengegend stammenden Ratten wurden 32 von Dr. Skschivan als pestinfizirt erklärt. Ohne dem demnächst erscheinenden interessanten Bericht von Dr. Skschivan iiber die genannte Rattenepizootie vorgreifen zu wollen, möchten wir hier kurz bemerken, dass sich unter den Pestratten, grösstentheils Wanderratten M. decumanus, auch eine Schiffsratte, M. rattus, und drei Alexandriner -Hatten befanden. Da die letzteren beiden Rattenarten die fast ausschliesslichen Bewohner der Schiffe darstellen, welchen sich in der Hafengegend die Wanderratte zugesellt, so ist es sehr wahrscheinlich, dass M. rattus und M. alexandrinus die eigentlichen Träger der Pestinfektion auf Schiffen sind. Es Ist hier ferner die interessante Thatsache zu constatiren, dass trotz der allerdings nicht sehr ausgebreiteten Rattenepizootie, welche sich von Oktober bis März hinzog (die letzte Pestratte wurde Ende März gefunden), nicht ein einziger Pestfall während der Wintermonate unter der Bevölkerung zur Beobachtung kam. Erwähnt möge hier werden, dass im November 1901 zwei bis drei Pestfälle in Batum, einem der östlichen Häfen des Schwarzen Meeres, vorkamen, die möglicherweise mit der Odessaer Pest in Verbindung standen. 15. Januar. DEUTSCHE MEDICrNISCHE WOCRENSOBIIIFT. 5!t Dieses Dokument wurde zum persönlichen Gebrauch heruntergeladen. Vervielfältigung nur mit Zustimmung des Verlages.
doi:10.1055/s-0028-1138246 fatcat:dimcdx74fjg5bpeqdq2y7wwjrq