2 Obskure NPOs [chapter]

2020 Obskure Organisationen  
Es erscheint ironisch, dass die Frage, was eine obskure NPO eigentlich ist, gleichzeitig Startpunkt einer Untersuchung ist, die letztlich genau dieser Frage nachgeht. Um dieser Ironie ein wenig zu entf liehen, soll zunächst ein Rahmen vorgegeben werden, der impliziert, um was es sich bei obskuren NPOs im Vergleich zu anderen Organisationen in etwa handelt. Eine ganzheitliche Beantwortung der Frage nach der Art obskurer Organisationen ist Ziel dieser Bearbeitung. Die Geschichte der
more » ... e der Organisationswissenschaft ist auch die Geschichte einer Organisationsgesellschaft. Wie Organisationen über die Zeit wahrgenommen wurden und wann sie in der Zivilisationsgeschichte erstmals aufgetaucht sind, ist Thema vielseitig geführter Debatten. Üblicherweise setzen Einführungs-und Standardwerke der Organisationstheorie je nach Ausrichtung bei Max Weber oder Frederic Taylor an und enden bei einer to be continued-Übersicht der organisationalen Netzwerktheorie (Kieser/Ebers 2014). Obschon es darum geht, einen Organisationstyp charakteristisch zu beschreiben, kann das Ziel nicht eine Typologie im eigentlichen Sinne sein. Typologien folgen, wie theoretische Konzepte im Generellen, bestimmten Heuristiken und haben dadurch immer auch blinde Flecken. So kann eine Typologie von einem analytisch gesellschaftlichen Funktionsbezug gedacht werden (Parsons 1976) oder aber dann von einem empirisch kategorialen Funktionsbezug (Luhmann 1997). Organisationen lassen sich je nach Blickwinkel unterschiedlich typisieren, beispielsweise ökonomisch, rechtlich oder normativ-politisch (Scott/Herkommer 1986: 56-89). Aus diesem Grund sind die folgenden Ausführungen nicht als eine Typologie einer Form von Organisation zu verstehen, sondern mehr als eine Beschreibung eines organisationalen Idealtyps. Das webersche Konzept der Idealtypen versteht sich immer in Abgrenzung zu tatsächlich empirisch beobachtbaren Phänomenen und bezieht sich gleichzeitig direkt auf sie (1964: 396). Die Auffassung moderner Organisationen seit dem Auf kommen der industriellen Produktion, neuer Arbeitsmodelle und Managementmethoden ist vielfach an ein utilitaristisches Verständnis geknüpft (Mills 2008; Smith/Recktenwald 2013; Bentham 2013). Organisationsmitgliedschaft wird mit Arbeitsverhältnis gleichsetzt, was einem Gesellschaftsbild entspricht, in welchem freie Individuen ihre Arbeitskraft vertraglich einem korporierten Akteur zusichern. Dieses Verständnis ist auch auf vormals altruistisch-solidarisch konnotierte Bereiche wie Vereinstätigkeit oder die Freiwilligenarbeit in nicht profitorientierten Organisationen übergeschwappt. Kurzum: Wer sich engagiert, erwartet dafür eine Gegenleistung. Solidarisches Handeln ist rezipro-
doi:10.14361/9783839452837-002 fatcat:dwzgirwtcraifdtxihuf7ut4se