Erfahrungen mit Terpichin bei dermatologischen, gynäkologischen und urologischen Erkrankungen

J. Sfakianakis
1920 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
kommenden Fälle dermatologischer, urologischer und gynäkologischer Art mit Terpich'in behandelt nixi will darüber im Folgenden be richten. Auf die Literatur kann ich nicht eingehen, da sie mir nur zum Teil zugänglich war. Die Technik der Terpichinapplikation ist denkbar einfach. Ich richte mich ganz nach den Angaben Karos der zweimal wöchentlich iutraglutäal injiziert. Die Stelle der Injektioii ist geichgültk, die Hauptsache ist, daß das Terpichin direkt in die Glutüen injiziert wird. Zu
more » ... ert wird. Zu verineideii ist das Injizieren in ein Blutgefäfl, daher nehme ich nach dem Einstechen der Kanüle vor der Injektion die Spritze ab, um zu kontrollieren, ob etwa Blut aus der l(anüle tropft; in solchem Falle muß die Nadel an anderer Stelle eingestochen werden. Ich habe viele Hunderte von Injektionen ausgeführt, niemals konnte ich schädliche Folgen beobachten, nie kam es zu Abszeßbildungen oder nennenswerten Infitraten. Fast alle Krankeii fühlen sich nach den lerpicliiuiiijektionen wesentlich wohler. Mein Material umfaßt zunächst zahlreiche dermatologische Erkrankungen. Wir haben hier in Griechenland viele Fälle schwerster Multiplex-Furuiikulose, hier waren die Erfolge mt Terpichin direkt spezitisch zu nennen, schon nach 3-5 Injektionen war in den meisten Fällen eine Rückbildung der Furunkel eingetreten, selbst große Furunkel brauchten nicht inzidiert zu werden; waren bereits große, gelbgrüne Pfröpfe vorhandeî, o lösten sich diese nad einigen Terpichinspritzen, wiihrend beginneHde Furunkel völlig resorbiert wurden. Zur Unterstützung der Terpichinwirkung wurden die Furunkel mit Sequestrol bedeckt, eine sonstige lokale l3ehandlung erübrigte sich. lu gleicher Weise wurden Fälk von tiefer Bartflcchte beeinflußt, auch hier wirkte Terpichin in Konibinatba mit lokaler Applikation von Sequestrol direkt spezifisch; selbst sehr vorgeschritteile Fälle von ausgebreiteter Bartflechte, wie wir sie ill Griechenland überaus häufig sehen, wurden ohne weitere lokale Behandlung in wenigen Wochen geheilt Gleich günstige Erfolge sah ich in Fällen von Impetigo contagiosa, auch bei ausgedehnten, hartnäckigen chronischeii Ekzemen; namentlich die nässenden Ekzeme reagieren vorzüglich auf Terpichiuinjektioncn. Der vorher bestehende Juckreiz hört unter dem Einfluß des Terpichins prompt auf, meist genugen 4--6 Injektionen zur völligen Rückbildung der Krankheit. Auch die Ulcera cruris, die ja an die Geduld der Kranken sowohl wie des Arztes die größten Anforderungen stellt, heilen ganz auffallend prompt unter dem Einfluß der Terpiehininjektionen. Während ich früher stets viele Fälle von Ulcera cruris in meiner Klinik monatelang vergeblich behandelte, habe ich seit Einführung der Terpichintherapie keinen Fall in die Klinik mehr aufgenommen, vielmehr konnte ich die Kranken ambulant behandeln und nach wenigen Injektionen arbeitsfähig machen, auch hier leistete mir die lokale Behandlung mit Sequestrol gute Dienste. Bei der Psoriasis und der Vrtikaria konnte ich keine Erfolge mit Terpichin erzielen, hingegen reagiert der Lupus erythematodes und der vulgäre Lupus meist gut auf die Terp.ichininjektionen, wenn auch die Erfolge hier nicht so prompt auftreten wie bei der Furunkulose. Bei echtem Lupus dauert die Behandlung meist sehr lange, der objektive Einfluß des Terpichins ist hier nicht so in die Augen springend, wie die Linderung der subjektiven Be. schwe rden. In der gynäkologischen Praxis sind es vor allem die chronischen Entzündungen der Adnexe, in denen das Terpichin sehr wirksam ist. Besonders auffallend waren die Erfolge bei der Parametritis sowohl gonorrhoischer wie puerperaler Natur. ich habe seit An. wendung des Terpichins kein Exssidat mehr inzidiert, da die Erfolge mit den Terp'ichininjektionen eine chirurgische Behandlung überflüssig machten. Auch Oophoritis, Salpingitis und Peri. metritis reágieren auf Terpichin in eklatantester Weise. Bei weiblicher Oonorrhoe sind clic Erfolge zweifelhaft, Wohl erreicht man oft ein rasches Versiegen des eitrigen Ausflusses, namentlich aus der Urethra, auch scheint mir eine Verdünnung des Zervikalsekrets unter dem Einfluß des Terpichins fast regelmäßig erreichbar zu sein, doch babe ich Dauerheilungen kaum je ohne Anwendung der lokalen Therapie erzielen können. Bei der Behandlung der Gonorrhoe des Mannes möchte ich das Terpichin nicht mehr nissen. Ich kann die Angaben Karos nur voll und ganz bestätigen, der in seinen Publikationen ausführlich darlegt, wie unter dem Einfluß des Terpichins die eitrige Sekretion aus der Urethra rasch versiegt und der Verlauf der Oonorrho sich milder und rascher gestaltet. Seit Anwendung des Terpichins 2. Dezember 1Q20 DEUTSCHE MEDIZINISCHE WOCHENSCHRI FT I 363 Dieses Dokument wurde zum persönlichen Gebrauch heruntergeladen. Vervielfältigung nur mit Zustimmung des Verlages.
doi:10.1055/s-0029-1193044 fatcat:avx5n7hee5cfpaap6i6qbuxyi4