Ueber das Verschwinden der Leberdämpfung infolge von Dickdarmüberlagerung (Schluß aus No. 6.)

Rudolf Hoffmann
1904 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Rosenfeld beschäftigt sich in seiner Arbeit nur mit den Vorbedingungen für die Lagerung des Kolons zwischen Leber und Bauchwand. Ein langes Ligamentum gastro-colicum erlaubt wohl die Verlagerung des Kolons in der erwähnten Weise, aber es müssen noch verschiedene Verhältnisse zusammenwirken, wenn auf Grund jener Disposition die Lageanoxnalie wirklich zu stande kommen soll. Ich will sowohl die veranlagenden, als die auslösenden Momente an der Hand der 12 Fälle in Kürze erörtern. Drei Faktoren
more » ... . Drei Faktoren sind es, die hier wesentlich in Betracht kommen: 1. Darm, 2. Leber, 3. Raumverhältnisse im Abdomen, besonders in seinen tieferen Teilen. Das Kolon steigt von der Fossa iliaca dextra fast senkrecht empor zur unteren Leberfläche. In der Nähe der Gallenblase wendet es sich nach vorn und zugleich nach links. Als Colon transversum zieht es darauf in einem Bogen, dessen Konkavität ') Fabriziert werden die Katheterhalter und Katheterrohre von der Glasfabrik Meyer, Petri und Holland in Ilmenau in Thür., verkauft von allen Instrumentenhandlungen. gegen die Wirbelsäule und nach aufwärts gerichtet ist, zum unteren Ende der Mils. Von hier aus senkt es sich als Colon descendens zur Fossa iliaca sitiistra, um in die Flexura sigmoidea überzugehen. Das Colon ascendens ist durch das Bauchfell an der hinteren Bauchwand befestigt. Der Querdarm besitzt eine eigene, ursprünglich getrennte Bauchfeilfalte, die ihn an der Wirbelsäule aufhängt. Das vordere Blatt dieses Mesocolon transversum verwächst sekundär mit dem zur Wirbelsäule zurücklaufenden hinteren Blatte des Otnentum majus. Der zwischen Magen und Dickdarm liegende Abschnitt wird Ligamentum gastrocolicum genannt. Ein Ligamentum hepato-colicum verbindet zuweilen die rechte Flexur mit der Leber. l)er abwärts ziehende Teil des Dickdarmes ist durch lockeres Bindegewebe mit der Umgebung verwachsen. Entwicklungsgeschichtlich wäre zu bemerken, dati schon im dritten Monat am Dickdarme zu unterscheiden sind: Coecum, welches rechts oben unter der Leber liegt, querverlaufend wie das Colon transversum. Dieses biegt in der Milzgegend scharf um nach unten und steigt zur linken Fossa iliaca hinab als Colon descendens. Die Flexura cou dextra und damit das Colon ascendens kommt in den folgenden Monaten dadurch zu stande, daLI das Coecum deszendiert. Ungefähr im achten Monate steht es unter der Crista ilei. Tritt keine völlige Verwachsung des Aufhängebandes von Coecum, Colon ascendens und Colon descendens mit dem Bauchfell der hinteren Rurnpfwand ein, so findet man diese durch ein längeres oder kürzeres Mesenterium befestigt. Die wichtigsten B efestigung spu n kte des Colon transversu!I1 sind die beiden Flexuren. Die rechte ist durch ein straffes Band an die Nierenkapsel geheftet. die linke durch ein ebensoiches an das Zwerchfell. Diese Fixationen werden allzu umfangreiche Dislokationen des Dickdarmes verhindern. Das Colon transversum selbst ist, wie erwähnt. am Ligamentum gastro-coheum befestigt. Ein langes Ligament wird demnach allerdings in manchen Fällen die Verlagerung des Querdarmes auf die Leber erleichtern, aber zum Zustandekommen derselben bedarf es eines solchen nicht. Nur einmal (Fall 4) fand sich ein langes Ligamentum gastro-colicurn (8-14 cm), dessen Länge aber durch eine nach unten ziehende Schleifenbildung ini rechten (juerdarmabschnitt erklärt wird. Reicht der linke Leberlappen weit nach unten oder ist das Colon transversum durch ein kurzes Ligamentum gastro-colicum an der unter der Leber verborgenen grollen Kurvatur befestigt, so kann der Dickdarni dem unteren Leberrande unmittelbar anliegen, bei Meteorismus des Iartnes aufkippen und sich auf die Leber lagern. Hier wird also die Kürze des Ligamentums ein günstiges Moment darstellen. Legt sich die rechte Flexur oder eine Schleife vor, die dciii Anfangsteile des Querdarmes angehört, dann kommen die Längenverhältnisse des Ligamentum gastro-colicum überhaupt nicht in Betracht, sondern nur die des Mesocolon transversum. Ein langes Ligamentum gastro-colicum mit Schleifenbildung des Colon transversum nach unten wird teils wegen der häufig in ihr enthaltenen größeren Kotmassen. teils schon wegen der großen Entfernung des Colon transversum von der Leber eher ein Hindernis für die Dislokation des Kolons nach oben bilden. In der Mehrzahl der Fälle wird es eines ganz bedeutenden Auftriebes stark vermehrter Darmgase bedürfen, um den Darm nach oben zu dislozieren. Von großem Einfluß auf das Zustandekommen dieser Verlagerung erscheint mir die Länge des Dickdarmes, speziell des Querdarmes zu sein, die nach Rolsenn1) bei Frauen eine etwas bedeutendere als beim Manne sein soll. Die bedeutendste fand sich bei Fall 3, dessen l{olon 225 cm maß. Hier sei bemerkt, daß sich in den 12 Fällen die Verlagerungen gleichmäßig auf beide Geschlechter (je sechs Fälle) verteilte, im Gegensatz zu den Fällen Rosenfeld und Engels, wo unter insgesamt neun Fällen das männliche Geschlecht nur einmal vertreten war. Eine Verlängerung des zwischen den beiden Flexuren gelegenen Darmstückes braucht keine Verlängerung des Ligamentum gastro-colicum zur Folge zu haben, falls sie in Schleifenbildung im Anfangs. teil des Colon transversum ihren Ausdruck findet oder falls, wie bei Gastroptose, der Magen mit disloziert wird. Vor allem kommt das Colon transversum in Frage, es überlagerte in zehn Fällen die Leber. Aber auch das Colon ascendens finden wir in vier Fällen bei der Ueberlagerung beteiligt, ') Th. Rolsenn, Ein Beitrag zur Kenntnis der Lngexunaße des Darmes. Dorpat 1890. 240 DEUTSCHE MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT. No. 7 Dieses Dokument wurde zum persönlichen Gebrauch heruntergeladen. Vervielfältigung nur mit Zustimmung des Verlages.
doi:10.1055/s-0029-1187340 fatcat:4clsu36jqzdg3mqgychhw6pa4e