ZUR METRIK DER MITTELENGLISCHEN REIMEND-ALLITERIERENDEN DICHTUNG

KARL LUICK
1889 Anglia. Zeitschrift für englische Philologie  
Die beliebteste strophenform in der mittelenglischen reimendalliterierenden dichtung l ist die mit der reimstellung ababababcdddc (vgl. Schipper, Engl. Metr. I, 219, 396). Die ersten acht verse sind langzeilen, der neunte (c) entweder ebenfalls eine langzeile (GG) oder ein sogenannter bobvers (Sus., AA), die letzten vier kürzere verse von ungleicher länge. Ueber die auffassung dieser letzteren gehen die ansuchten sehr auseinander. Horstmann (Anglia I, 93) hält von den betreffenden versen der
more » ... enden versen der Susanna die ersten drei flir dreihebig, mit verlangsamtem rhythmus, mehr jambisch als anapästisch, den letzten für eine art adonischen vers, (^)-L^^l, also für zweihebig. Derselben ansieht betreffs GG ist Trautmann (Anglia II, 408). Von den drei ersten kurzversen in AA sagt Lübke (The Aunters of Arthour etc., Berliner dissertation 1883, s. 15), die zahl der hebungen schwanke zwischen zwei und drei; eine gleiche messung der verse sei nicht möglich: gegen die annähme von zwei hebungen spreche die grosse anzahl von versen mit mehr als zwei stark betonten silben, gegen die annähme von drei hebungen in allen versen die noch grössere anzahl von solchen, die nur zwei zum tragen der hebung geeignete silben enthalten. Sicher nur zwei hebungen habe in allen Strophen der letzte vers. Gegen die begründung dieser auffassung ist einzuwenden, dass ja in den ersten halbversen der langzeilen, welche auch Ltibke durchaus als zweihebig ansieht, oft genug c mehr als 1 Abkürzungen: GG = Golagrus und Gawain (hrsg. von Trautmann, Anglia II, 395 ff.); Sus. = Susanna (hrsg. von Horstmann, Anglia I, 93 ff.); AA = The Awntyrs of Arthure (hrsg. von Madden in seinem 'Syr Gawayne' 1839). Brought to you by | University of Arizona Authenticated Download Date | 7/15/15 11:57 PM LUICK, zwei stark betonte Silben' vorkommen, in einigen denkmälern häufig, in anderen weniger oft. AA gehört zu den letzteren, aber GG z. b. bietet sehr viel belege. -Entgegen diesen ansichten erklärt Schipper (EngL Metr. I, § 104, s. 218 ff.) die verse des abgesangs für durchaus zweihebig, d. h. ftir halbverse der stabreimzeile. Dabei bleibt zunächst unerklärt, warum der letzte immer ganz merklich kürzer ist als die drei vorhergehenden. Indess führt uns jene auffassung auf die richtige spur zur erklärung dieses merkwürdigen Verhältnisses. Die halbverse der langzeile sind ja durchaus nicht gleich gebaut; ich habe Anglia XI, 420 ff. die nicht unbeträchtlichen unterschiede festgestellt. Prüfen wir darauf hin die in frage stehenden kurzzeilen, so ergibt sich, dass die drei ersten derselben, die längeren, nichts anderes sind als erste halbzeilen, die vierte, kürzere, ein zweiter halbvers. Die abgesänge der ersten Strophen von Sus., AA und GG mögen dies belegen: Sus. \ ' > Inne )?e sorcle of sees Of Erberi and Alees Of alle Mäner of trees So|?ely to say. AA Bothe the kynge, and the qwene, And all j? c doghety by-dene, Syr Gawane, gayeste on grene, Danie Gayenoure he ledis. GG Sembillit to bis summovne, Ronkis of grete renovne, Cumly kingis with crovne Of gold, ^at wes cloir. Brought to you by | University of Arizona Authenticated Download Date | 7/15/15 11:57 PM
doi:10.1515/angl.1889.1889.12.437 fatcat:xrng7uf5b5hp5nddcp5gq7hgcy