Aerztliche Charactertypen in England

F. Meister
1877 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Feuilleton. Aerztliche Charactertypen in England. (Types of professional character. -The Lancet, Nov. 25, 1876.) Deutsch von F. Meister. Der Berufscharacter eines Arztes ist ein von seinen persönlichen Eigenschaften ganz verschiedenes Ding. Männer, die eine öffentliche oder quasi-öffentliche Stellung in der Gesellschaft einnehmen, acquiriren gar leicht gewisse Manieren und Gewohnheiten, gewisse Methoden des Handelns und des Denkens, man kann sogar fast sagen, gewisse Principien, die ihrer
more » ... en, die ihrer inneren Natur gänzlich fremd sind. Diese Erwägung wäre nun, soweit es gewisse Seiten des Berufscharakters betrifft, die nicht gerade anziehend und bewundernswerth sin4, ausserordentlich beruhigend, wenn man nicht zugleich in Betracht ziehen müsste, dass Niemand längere Zeit hindurch etwas consequent aufrecht erhalten kann, -was nicht etwa wie ein.Kleidungsstück ah-oder anzulegen ist, sondern was fortwährend einen Theil seines Denkens und seiner Aufmerksamkeit erfordert -ohne von dem angenommenen Charakter afilcirt zu werden und seine Natur demselben nach und nach zu assimiliren. Der Berufscharakter wird thatsächlich dem per.sönlichen Charakter aufgezwungen, weich letzteren er sich auch schliesslich genau zureehtstutzt. Beide stehen iii ilmigster Wechsel-Ieutohe Medtotniohe Woohensohrift. 1877. wirkung, bis im Laufe der Zeit der Mann, als ein Ganzes, weder er selbst mehr ist, noch auch das professionelle Wesen, als welches er sich der Welt darstellt und das vo derselben kritisirt wird. Er ist moralisch , intellektuell und zuweilen auch physisch das Resultat zweier besonderer, von verschiedenem Ursprunge ausgehenden Kräfte, die vielleicht nicht ohne Misston auf einander treffen und hier ein
doi:10.1055/s-0029-1193697 fatcat:672w75li7vcytm6nstxjjrmyju