Zur Aetiologie und Therapie, speziell Balneotherapie der Psoriasis vulgaris

H. Köbner
1904 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
in Berlin-Charlottenburg. Der alte Satz, je mehr Arzneimittel gegen eine Krankheit empfohlen werden, desto weniger ist sie heilbar, gilt auch für die ätiologischen Hypothesen, welche bezüglich der Psoriasis aufgestellt worden sind. Entspräche ihrer Zahl die Kenntnis der wirklichen Ursachen dieser Krankheit, so wäre das Dunkel, welches noch heutzutage über diese herrscht, längst gelichtet, und auch die Therapie hätte daraus Nutzen gezogen. Streifen wir kurz die ätiologischen Irrtümer von drei
more » ... rrtümer von drei dermatologischen Autoritäten", welche sämtlich auf der Annahme hypothetischer Dyskrasien beruhen, so begegnen wir zuerst der Erasmus Wilsons1), Psoriasis beruhe auf einem Atavismus: von den Großeltern ererbter Syphilis, sodann Poors:') -auf Malaria. (Meine privaten Ermittelungen bei Aerzten Ungarns ergaben jedoch, daß Psoriasis in Malariagegenden dieses Landes nicht häufiger Ist als in malariafrelen.) Bazin') glaubte, ihre Ursache an der Farbe der Effioreszenzen unterscheiden zu können, und verordnete demgemäß bei der supponierten "Psoriasis arthritique" innerlich Alkalien, bei der "Psoriasis dartreuse" Arsen. Er übersah aber, daß die lokalen Heilerfolge durch das stets gleichzeitig applizierte 01. cadin. bewirkt worden waren. Wie mit einem Schlage änderte sich die ätiologische Auffassung durch das Hinzutreten einer neuen Möglichkeit: der durch meine Ritzungsversuche an intakten, von Psoriasisplaques ganz entfernten Hautstellen von Psoriatikern bewirkten Entstehung neuer Plaques 4), und zwar nicht etwa ausgehend vom Rande alter, 1) Wilson, Treatise on skin diseases. London 1867 und 1875. -2) Poor, Prager Vierteljahrsschrift für Heilkunde 1878. -3) 8 a z in, Leçona sur les affection arthritiques et dartreuses. Paris 1861. -4) Köbner, Aetiologie der Psoriasis. Jahresbericht der Schle. sischen Cesellschaft für vaterländische Kultur 1872. Referiert im Archiv für Dermatologie uud Syphilis 1876, S. 559. Heruntergeladen von: NYU. Urheberrechtlich geschützt.
doi:10.1055/s-0029-1187636 fatcat:zxnyqyopvzfrjb6zkmwtkhnfja