Ueber Verknöcherungsvorgänge in den Venen im Lichte des Röntgenverfahrens

Carl Beck
1904 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Zur Zeit der Frü.hperiode des Röntgenverfahrens nahm ich Gelegenheit, in dieser Wochenschrift (1898, No. 7) den praktischen Wert der Strahlen für die Arteriosklerose zu erwägen und zu illustrieren. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß von der frühzeitigen Erkennung der Sklerose ein gut Teil des therapeutischen Erfolges abhängt. Und keine unserer diagnostischen Maßnahmen verbürgt die frühzeitige Erkenntnis in so hohem Grade, als das Röntgenverfahren. Namentlich an der unteren Extremität
more » ... en Extremität las.sen sich Anzeichen der Sklerose durch die Röntgenpiatte zu einer Zeit nachweisen, da keinerlei klinische Symptome darauf hindeuten. Wenn man sich die Mühe nimmt, Patienten, welche über "rheumatische Schmerzen« im Fuß klagen, skiagraphisch zu untersuchen, so ist man oft nicht wenig erstaunt, den Beweis von Ablagerungen auf der Röntgenpiatte zu erblicken. Die pathologischen Veränderungen der Venen sind ähnlicher Natur. Obgleich jedoch die fibröse Degeneration der Venen tatsächlich ein beinahe ebenso häufiges Vorkommnis bildet, als die der Arterien, so widmet man diesem wichtigen Zustand doch höchstens ein akademisches Interesse, und das Auge des Klinikers sowohl wie das Messer des Chirurgen gleitet flüchtig darüber hinweg. Nur die Phiebolithen dürften sich eines tiefer gehenden Interesses rUhmen. Daß sich eine ausgesprochene Verknöcherung an der Stelle der fibrösen Entartung entwickeln kann, scheint vollends keine Beachtung zu finden. Wie Figura zeigt, läßt sich die ausgedehnte Knochenstruktur in der Vena saphena sowohl in ihrem Beginn als in ihren Verästelungen sehr deutlich veranschaulichen. Die Präparate entstammen einer 5ßjährigen Dame. Herrn Kollegen Ludwig Weiß in New York verl) Diese Wochenschritt 1902, No. 48, S. 867. -2) Fails der Haro alkalisch reagiert, wird derselbe mit Essigsäure angesäuert; bei neutraler Reaktion setzt man ohne weiteres das CaCe zu und zentrifugiert. Trübe I-lame müssen zuerst filtriert werden, weil sonst die ßiliverdinreaktiofl trübe ist und daher schwer mit den Teströhrchen verglichen werden kann. Beim Filtrieren soll man ein kleines, trockenes Fiitrum benutzen und den zuerst durchgeiaufenen Ham nicht verwenden. Erst nachdem sich das Filtrum mit Oallenfarbstoff gesittigt hat. Ist das Filtrat für die Reaktion zu verwenden. 3) Der Apparat ist für 10 Mark bel Hems D. B. Kagenaar in Utrecht zu haben; er enthält Standardrôhrchen, weiche sukzessiv 10-20-40 60--80 und lOE) mg Qailenfarbstoff pro Liter repräsentieren; zwischen diesen befinden sich die proberöhrchefl. danke ich die Beobachtung, daß dieselbe seit dreißig Jahren an Varizen litt. Thrombophiebitis war zu wiederholten Malen eingetreten und Verknöcherungsvorgang in der Vena saphena. Vena saphena magna. a Ausgebildetes Spät-b Frühstadium (mit stadium. Verzweigungen). No. 24 Vena saphena parva. C Früh-und Spätstadium gemischt. hatte Erweiterungs-sowohl als Vernarbungsvorgänge im Gefolge gehabt. Die letzteren dürften wohl für die Phlebitis obliterans, wie sie sich an mehreren Stellen manifestierte. verantwortlich zu halten sein. Rechtsseitig hatte sich ein großes Unterschenkelgeschwür gebildet, welches den häufigen Schauplatz profuser Blutungen darbot. Da die Patientin außerdem beständig unter mehr oder minder ausgesprochenen Entzündungserscheinungen und infolgedessen an Oedem und Indurationen litt, so wurde die Exstirpation der Vena saphena magna beiderseits und der Vena saphena parva rechts ausgeführt. Bei der Operation wurde eine Anzahl Thromben in den erweiterten Venen gefunden, welche an manchen Stellen aneurysmatischen Säcken glichen. Die harte Konsistenz der verdickten Teile veranlaßte mich, dieselben bei Röntgenbelichtung zu studieren. Das Resultat ist durch beistehende Skiagramme illustriert. Die anatomische Belehrung, welche wir aus denselben schöpfen, scheint mir nicht ohne praktischen Nutzen zu sein. Angesichts einer so ausgedehnten Ossifikation ist es doch klar, daß von den vielgepriesenen elastischen Strümpfen oder Bandagen, oder auch von Einspritzungen in das zirkumvaskuläre Gewebe oder der Ignipunktur schlechterdings kein Resultat zu erwarten ist. Ja, die letzteren Methoden dürften dann geradezu gefährlich zu nennen sein. Die Massage, welche im Frühstadium der Arteriosklerose so glänzende Resultate verspricht, würde hei der vollendeten Ossifikation nicht bloß im Stiche lassen, sondern dürfte schon bei mäßig kräftigem Tempo zu Traumen durch die spitzen Knochenpartikeichen Anlaß geben. Es bleibt also nur eine Methode, nämlich die Exstìrpation, welche doch, wenn sie unter der schützenden Aegide sorgfältiger Asepsis ausgeführt wird, als gefahrloses Verfahren zu bezeichnen sein dürfte. Die Palpation gibt über die Natur der Verdickung der Venenwandungen keinen Aufschluß. Entzündliche Verhärtung, fibröse Eutartung und Verknöcherung verleihen die gleiche palpatorische Empfindung. So bildet denn auch hier, wie bei so vielen anderen, früher als gänzlich obskur betrachteten Fragen das Röntgenverfahren die letzte entscheidende Instanz. In praxi sollte man demgemäß alle zweifelhaften Fälle erst durch die Röntgenbrille betrachten, bevor man sich für eine BehandlungsmethOde entscheidet. Dieses Dokument wurde zum persönlichen Gebrauch heruntergeladen. Vervielfältigung nur mit Zustimmung des Verlages.
doi:10.1055/s-0029-1187569 fatcat:k4jcoszm6zhhfles636vf77vvu