Zur Beurteilung des Arsacetins (Ehrlich) und seiner Einwirkung auf den Sehnerven

Frz. Hammes
1910 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Frz. flammes, Spezialarzt für innere Krankheiten in Trier. In letzter Zeit hat ein Ersatzpröparat des Atoxyls, das Arsacetin -durch Einführung einer Acetyigruppe verändertes p-Aminophenylarsinsaures Natrium -durch angeblich geringe Giftigkeit angenehmes Aufsehen erregt. Als Indikationen für seine Anwendung wurden wie beim Atoxyl in erster Linie die Trypanosomen-, Spirochäten-und Spirillenerkrankungen angegeben, dann aber auch Anämieustände, bei denen ja das Arsen medikamentös noch immer eine
more » ... noch immer eine gewichtige Rolle einnimmt. Die Veröffentlichungen von Ehrlich'), Neisser2), Heymann3), G. Klemperer1) konnten in dem Präparat einen entschiedenen Fortschritt gegenüber dem Atoxyl konstatieren, speziell betonten alle, daß Sehnervenschädigungen, wie sie in steigender Zahl als Folge der Atoxylmedikation berichtet wurden, nicht beobachtet worden seien. Dabei waren die verwendeten Mengen zum Teil recht erheblich. Neisser arbeitete zunächst in Batavia mit dem Präparat viele Monate im Tierversuch. Diese Versuche fielen so günstig aus, daß er die Arsacetiubehandlung auch auf die Therapie der Syphilis beim Menschen übertrug und auf Grund hierbei gewonnener Erfahrungen sie als sehr brauchbar empfiehlt. Er injizierte als Einzeldosis 0,6-0,75 g Arsacetin zweimal in der Woche an aufeinanderfolgenden Tagen und kam so innerhalb 10 Wochen auf 12-44 g des Präparats, "stets ohne irgendwie bedenkliche Nebenerscheinungen". Noch nicht ein einziges Mal wurde eine Optikusatrophie oder eine ähnliche den, nervösen Apparat treffende Schädigung gesehen. Ebensowenig sind Störungen der Niere beobachtet worden." Bei Frauen sah er gelegentlich Magendarmstörungen, denen aber durch kleine Gaben Magnesia usta anscheinend gut vorgebeugt werden konnte. Myokarditiker schließt er wegen der Gefahr toxischer Wirkung auf den degenerierten Herzmuskel von der Behandlung aus, bei Nephritikern rät er zur Vorsicht Hey mann wendete das Arsacetin ebenfalls in der Syphilistherapie an und kam bei Einzeldosen von 0,6 g auf eine Gesamtmenge von 4,8 bis 7,2 g. Er konnte in 7 von 31 Fällen ernstere Nebenwirkungen konstatieren, die fast regelmäßig mit Kopfschmerzen, Uebelkeit und Erbrechen einsetzten und am folgenden Tag zu dem Symptomenkomplex einer Nephritis überführten, die dann nach weiteren drei bis vier, einmal zehn Tagen, abgeklungen war. Ein Kranker klagte nach einer Gesamtdosis von 2,4 g über anfallsweise auftretende, sehr heftige Leibschmerzen sowie stark stechende Schmerzen in den Extremitäten. Heymann vermutet, daß es sich um eine beginnende peripherische Neuritis gehandelt habe. K le mp ere r hat das Präparat auf einem Gebiet, auf dem man anfangs auch vom Atoxyl Großes erwartet hatte, mit gutem Erfolg angewandt; er berichtete über die Behandlung der perniziösen Anämie mit Arsacetin. Als therapeutisches Ergebnis erzielte er eine mächtige Einwirkung auf die Blutbildung, sodaß er in gerade schwersten Fällen dringend zur Anwendung des Mittels in der Einzeldosis von 0,6 g, zweimal wöchentlich an aufeinanderfolgenden Tagen rät. Er stieg bei seinen sechs Fällen auf 4,8 bis 10,9 g pro Kur und sah zwar bei seinen weiblichen Patienten gelegentlich Magendarmstörungen, die er dem Arsacetin zur Last legt; direkte Schädigungen hat er aber nicht gesehen, speziell betont er, daß Augenschädigungen nicht beobachtet wurden. Auf das relativ große Beobachtungsmaterial von 104 Fällen bezieht sich die kiirzliche Veröffentlichung von Iversen5) aus einem St. Petersburger Hospital, der die Einwirkung des Arsacetins auf den russischen Reourrens studierte. Er erzielte ebenfalls therapeutisch recht bemerkenswerte Resultate. Seine Einzeldosen bewegten sich zwischen 0,2 und
doi:10.1055/s-0028-1142560 fatcat:bhegoomu4bbrrjlo23y2mlunay