Ueber Urinintoxikation bei intraperitonealer Harnblasenruptur

F. Oehlecker
1912 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Wenn eine Harnblasenberstung intraperitoneal ist und der Urin in die freie Bauchhöhle fließt, so hängt das Schicksal des Patienten in erster Linie davon ab, ob der Ham steril ist, oder ob er Eitererreger enthält. Besteht eine Cystitis, oder wird durch unvorsichtiges und unzweckmäßiges Katheterisieren die Bauchhöhle infiziert, so ist die Prognose schlecht. Es wird daher mit Recht gefordert, daß in Fällen, bei denen der Verdacht auf eine Hamnblasenruptur vorliegt, nur dort ein einmaliger
more » ... einmaliger Katheterismus zur Sicherstellung der Diagnose vorgenommen wird, wo man in der Lage ist, gegebenenfalls sogleich auch die Laparotomie auszuführen. Wenn wir, wie ich es früher vorgeschlagen habe, das klinische Bild der intraperitonealen Blasenzerreißung in eine In fe k t jonskomponente und in eine Urämiekomponente zerlegen, so unterliegt es keinem Zweifel, daß die Infektionskomponente eine weit größere Rolle spielt als die Komponente der Urinintoxikation. Jedoch ist die letztere nicht ohne Bedeutung, und es ist durchaus kein gleichgültiges Ereignis, wenn ein Patient längere Zeit in seine Bauchhöhle steril uriniert und er durch Resorption von festen Hamnbestandteilen eine Anreicherung seines Blutes von diesen Stoffen erfährt. -In früherer Zeit hatte man eine etwas übertriebene Vorstellung von der Bedeutung der Urämie bei der Hamnblasenruptur. So glaubte z . B. Rose, daß in vielen Fällen die Trunkenheit, in der ja bekanntlich die meisten traumatischen intraperitonealen Blasenverletzungen entstehen, unmittelbar in die Somnolenz der Urämie durch Hamnretention übergehe. Diese Anschauung vertreten wir heut-
doi:10.1055/s-0029-1190007 fatcat:2rcbsu4wb5etrmv62x2xbrjide