«Acné excoriée des jeunes filles» oder Dermatotillomanie

Alexander Andreas Navarini, Undine Lang
2017 Swiss Medical Forum = Schweizerisches Medizin-Forum  
Die «Acné excoriée des jeunes filles» ist eine häufige Gesichtserkrankung, die vor allem bei jungen Frauen vorkommt. Behandlungen der Akne sind ineffektiv, es handelt sich um eine Impulskontrollstörung. Psychiatrische Mitbetreuung ist sehr empfehlenswert, die gemeinsame Therapie zielt auf Vermeidung der Hautschädigung gefolgt von Narbenbehandlung. Einführung, Epidemiologie, Pathogenese «Acné excoriée»-Patientinnen sind physisch und seelisch verwundet. Ungeachtet der Behandlungsversuche
more » ... gsversuche konsultierter Dermatologinnen und Dermatologen flammen die Hautveränderungen im Gesicht und am Oberkörper regelmässig auf und führen die Betroffenen in zunehmende Frustration, irreversible Vernarbung und Entstellung. Louis Brocq in Paris beobachtete und beschrieb die «Acné excoriée des jeunes filles» (AE) erstmals 1898 [1]. Die Betroffenen sind fast immer Mädchen und junge Frauen, nur selten auch Männer. Die Prävalenz der AE selbst ist noch unbekannt, die AE ist aber ein Teil der «Skin Picking Disorder» [2], die bei 5,4% der Bevölkerung, 4% einer Gruppe von Collegestudenten und 2% der dermatologischen Patienten objektivierbar sind [3, 4]. Im deutschen Sprachraum spricht man auch von Dermatotillomanie. AE ist eine Überreaktion von Patientenseite auf tatsächliche oder eingebildete Hautveränderungen im Gesicht. So wird zentimeternah vor dem Badezimmerspiegel oder sogar mit Hilfe der Lupe die eigene Haut gemustert und auf krankhafte Weise drakonisch zu reinigen versucht, entweder mit den Fingern oder mit Werkzeugen. Noch nicht verheilte Wunden werden erneut aufgerissen, es wird gekratzt, gezupft, gedrückt und teilweise mit Werkzeugen vorgegangen, sodass es zu schmerzhaften Komplikationen, Blutungen und Entzündungen kommen kann. Auch ohne Sichtkontakt, wie zum Beispiel am Steuer des Autos, vor dem Fernseher oder während der Arbeit kann die Schädigung während Perioden von Minuten bis mehreren Stunden stattfinden. In beiden Fällen entzieht sich die krankhafte Aktivität der bewussten Kontrolle und Schmerzen werden nur bedingt wahrgenommen. Durch das kompulsive Ausdrücken und Kratzen kommt es zu Krusten und zunehmender Vernarbung (Abb. 1). Alexander A. Navarini Abbildung 1: Prädilektionsstellen der «Acné excoriée des jeunes filles» mit typischen Läsionen, gleichzeitig Absenz von Primärläsionen der Akne wie Komedonen oder Pusteln. SWISS MEDICAL FORUM -SCHWEIZERISCHES MEDIZIN-FORUM 2017;17(7):161-164 Published under the copyright license "Attribution -Non-Commercial -NoDerivatives 4.0". No commercial reuse without permission.
doi:10.4414/smf.2017.02887 fatcat:rptiahja4fcjjpu5z7sutrymce