Perioperative respiratorische Komplikationen [chapter]

Martin Zoremba
2012 Adipositas-Management in Anästhesie, Chirurgie, Intensivmedizin und Notfallmedizin  
nicht unerhebliche Wirkung auf die Reduktion der nächtlichen Atemregulation. Dies hat bei Adipositas eine besondere Bedeutung, da die Prävalenz an unerkannter OSA (obstruktiver Schlaf-Apnoe) mit steigendem BMI deutlich erhöht ist. Adipöse Patienten haben ein im Vergleich zum normalgewichtigen Kollektiv 10-30-fach höheres Risiko für OSA. Dabei wird bei bis zu 90% der Risikopatienten von einer unerkannten OSA ausgegangen. Neben der zentralen Atemregulationsstörung spielen die im Rahmen der
more » ... tas verringerten pharyngalen Diameter eine nicht unerhebliche Rolle. In Verbindung mit einem erhöhten Patientenalter und einer veränderten Metabolisierung führt dies durch die in der perioperativen Phase applizierten Pharmaka zu einem rascheren Kollaps der oberen Atemwege, was Hypoventilation und Desaturation begünstigt. Bisher existieren nur wenige kontrollierte Studien, die pulmonale Komplikationen in diesem Setting exakt evaluiert haben. Deren Ergebnisse sind jedoch eindeutig. Sowohl die absolute Anzahl an ernsthaften pulmonalen Komplikationen (24% vs. 9%) und ungeplanten Intensivaufenthalten (20% vs. 6%) als auch die Verweildauer in der Klink waren statistisch signifikant (p < 0.001) unterschiedlich. Dies wird im Rahmen der anästhesiologischen Prämedikationsvisite anhand einer ASA-II-Klassifizierung bei Adipositas allerdings als nur "leicht erhöhtes Narkoserisiko" unzureichend abgebildet. Adipositas bedingt eine 4-fach höhere Inzidenz von respiratorischen Komplikationen. Diese können sich in einer temporären Desaturation bis hin zu einer manifesten respiratorischen Insuffizienz äußern. Eine exakte präoperative Risikostratifizierung ist nicht möglich. Zusätzliche Untersuchungen (Spirometrie) konnten das perioperative Risiko für respiratorische Komplikationen nicht reduzieren. Morbidität und Mortalität steigen insbesondere in Kombination mit Nikotinabusus bei einem BMI > 30 rapide an. Neben dem BMI gelten in einem 6-Faktoren-Risikomodell n n Rauchen in den letzten 8 Wochen präoperativ, n n Abdominaleingriffe, n n Malignome, n n Alter > 60 Jahre (Komorbiditäten) und n n eingeschränkte kognitive Funktionen als Risikoindizes für postoperative pulmonale Komplikationen. Dabei ist die Reduktion der Vitalkapazität abhängig vom Schweregrad der Adipositas. Betroffen sind besonders Patienten mit vorwiegend abdomineller Adipositas. Insbesondere die mit Adipositas einhergehende nicht unerhebliche Ko-Morbidität erschwert eine genaue Risikoklassifizierung. Verschiedene Faktoren spielen hierbei eine wichtige Rolle. Bereits der Einfluss einer Prämedikation (üblicherweise mit einem Benzodiazepin) am Vorabend besitzt eine
doi:10.32745/9783954660834-12.3 fatcat:cyrynq4u25avjamiyolhwwukxy