Ueber linkseitige muskulöse Conusstenosen1)

A. Schmincke
1907 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Während angeborene Stenosen des Conus arteriosus dexter bei Sektionen von speziell im jugendlichen Alter verstorbenen [udividuen keine allzu seltenen Befunde darstellen, sind angeborene Stenosen des Conus arteriosus der Aorta se1ten); muskullise Stenosen scheinen insbesondere äußerst seltene Vorkommnisse zu sein ; es ist mir wenigstens nicht gelungen, in der mir zugänglichen Literatur ähnliche Befunde wie die hier zu beschreibenden zu erheben. Die Herzen, bei denen ich eine ausgesprochene
more » ... usgesprochene muskuidse Stenose des Conus der Aorta mit den entsprechenden Folgeerscheinungen konstatieren konnte, stammen von zwei in den älteren Lebensjahren verstorbenen Frauen. Fall 1. 56 Jahre alte Frau. (Fr. S. 31. März RJ07.) Gestorben im Anschluß an eine Blutung in den linken Occipitalpol. Bei der Sektion des Herzens fand sich eine starke, eifärmige, Hypertrophie des linken Herzens. (Gewicht des Gesamtherzens 485 g, die Länge des linken Ventrikels -von den Aortaklappen zur Herzspitze gemessen 11 cm, größte Breite -vom Sulcus iongitudinalis ant. bis zur linken Herzkante gemessen -7V2 cm.) Die Muskulatur des linken Ventrikels war stark verdickt (2 cm), auf dem Schnitt glasig, dabei leicht trüb. Die Klappen des linken Herzens erwiesen sich intakt, speziell zeigten die Aortenklappen normale Verhältnisse, waren glatt, zart, glänzend nnd bei der Wasserprobe schlußfähig. Der Conus der Aorta erschien bei der Betrachtung vom linken Ventrikel aus sehr eng, und war eben noch für die beiden ersten Glieder des Ringfingers einer Männerhand durchgängig; das ganze Endokard des Conus glatt und spiegeind, nirgends fibrcjs verdickt; die die Conuswand konstituierende Muskelmasse stark verdickt; der Anfangsteil der Aorta und das Aortenostium von normaler Weite (Durchmesser des Aortenlumens [2 cm von den Klappen entfernt] 2'/ cm, Durchmesser des Aortenostiurns 1/ cm). Der übrige Sektionsbefnnd ergab weiter nichts Bemerkenswertes; speziell fand sich keine Nierenerkranknng, keine nennenswerte Arteriosklerose, die für die Hypertrophie des Herzens hätte verantwortlich gemacht werden können. Die Sektionsdiagnose lautete: Hypertrophia ventriculi sin. cordis, Degeneratio parenchymatosa musculi coi-dis, Stenosis conus arteriosi sin., Myoma permagnum uteri subserosum in cavum peritonei imminens, Hydrops vesicae felleae, l-Iamorrhagia in lob, occipitale sin. cere.bri. (Der durchblutete llirnbezirk war von Kleinpflaumengröße, die Gefäße der Hirnbasis nicht verdickt, auch erschienen die kleineren Verzweigungen der Hirnarterien makroskopisch normal; das Gefäß, aus dem es geblutet hatte, konnte nicht aufgefunden werden.) Auf Grund der anamnestischen Erhebungen ließ sich eine infolge starker körperlicher Arbeit während des Lebens zustandegekommene sog. Arbeitshypertrophie des Herzens ausschließen; wie mir die Schwester der Verstorbenen mitteilte, hatte dieselbe nie über Beschwerden von seiten des Herzens geklagt. Fall 2. S0jährige Frau. (S. J. 07. 90.) Gestorben im Anschluß an eine Ileusoperation. Hier fand sich bei der Sektion des Herzens ebenfalls eine beträchtliche Hypertrophie des linken Ventrikels. Gewicht des Gesamtherzens 445 g, Länge des linken Ventrikels, von den Aortonklappen bis zur Herzspitze gemessen, 10 cm, größte Breite -vom Sulcus longitudinalis ant, bis zur linken Herzkante -G cm. Die Dicke der Ventrilcelwand etwas weniger wie 2 cm, die Klappen der Mitralis und Aorta waren ohne Besonderheiten; die Aortenklappen bei der Wasserprobe schlußfähig, auch hier war der Conus sehr eng, sodaß eben das Anfangsglied des Zeigefingers hindurchgeíithrt werden konnte, die das Conuslumen begrenzenden Muskelbalken hypertrophisch, dabei das Endocardium des Cones von normaler Beschaffenheit. Das Ostium der Aorta sowie das Lumen des Aufangsteils normal weit (Durchmesser des Aortenlumens [2 cm von den Klappen entfernt gernesscnJ 2 cm, Durchmesser des Aortenostluins 11/ cm); auch hier ergab die Sektion weiter keinen als Ursache der linkseitigen Herzhypertrophie heranzuziehenden Befund. Die Sektionsdiagnose lautete: Hypertrophia ventriculi sin, coi-dis, Stenosis conos arteriosi sinistri, Emphysema pulmonum, Chole-1) Nach ejneni in der Physikalisch.rnediziriischen Gesellschaft in Würzburg gehaltenen Vortrag. -2) ct Dug, Virchows Archiv Bd 91. Dieses Dokument wurde zum persönlichen Gebrauch heruntergeladen. Vervielfältigung nur mit Zustimmung des Verlages.
doi:10.1055/s-0029-1189154 fatcat:eogw5n4v65ewdemqdv7ymzhne4