Dauernde Epilation durch Röntgenstrahlen ohne Schädigung der Haut1)

Demetrius Chilaïditi
1913 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
in Konstantinopel. Bekanntlich konnten die bisherigen Erfolge, die man bei der Behandlung der Hypertrichose mit Röntgenstrahlen erzielte, mit wenigen Ausnahmen, nicht befriedigen. Denn entweder wuchsen die Haare eine bestimmte Zeit nach ihrem durch die Bestrahlung bewirkten Ausfall wieder nach, oder es mußte ein dauerndes Ausbleiben der Haare häufig mit einer dauernden Schädigung der Haut in den Kauf genommen werden. Garnicht so selten kam es sogar vor, daß trotz einer nach Bestrahlung
more » ... estrahlung eingetretenen Hautatrophie ein großer Teil der Haare wiederkehrte oder überhaupt nie zum Ausfalle gebracht werden konnte. Dabei durfte man diese ungünstigen Resultate nicht immer einer ungeeigneten Technik zuschreiben, denn sowohl nach Bestrahlung mit weichen, als auch mit harten Röhren, sowohl ohne, als auch mit Filter, sowohl nach Applikation einer Volldosis, als auch nach mehrmaliger Applikation in dosi refracta wurden Röntgenschädigungen beschrieben. Aus diesem Grunde wurde das Verfahren von den meisten Aerzten in den letzten Jahren nicht oder nur in Ausnahmsfällen angewendet. Die Ursache dieser unbefriedigenden Resultate liegt der Hauptsache nach darin, daß normalerweise die Papille nur um ein Geringes empfindlicher für Röntgenstrahlen ist als die Epidermis, und diese nur geringe Ueberempfindlichkeit scheint in den meisten Füllen nicht zu genügen, um mit einiger Sicherheit eine Zerstörung der Papille o hn e gleichzeitige Schädigung der Haut zu erreichen. Immerhin darf jedoch selbst diese geringe Empfindlichkeitsdifferenz zwischen Papille und Epidermis nicht ganz außer acht gelassen werden, denn in gewissen Fällen geniigt sie, um Erfolge zu erzielen. (Man beachte die gerade in letzter Zeit, speziell von französischer Seite [Spéder, Regaud et Nogier, Albert Weil] gemeldeten, manchmal recht günstigen Resultate, die durch stark gefilterte Röntgenstrahlen hei Hypertrichose erzielt wurden.) Um wieviel häufiger müßten aber diese noch ganz vereinzelten Erfolge werden und um wieviel besser müßten sie vor allem werden, wenn es gelänge, die Empfindlichkeitsdiflerenz zwischen Papille und Epidermis zu steigern. In diesen Fällen wäre es viel leichter möglich, durch eine bestimmteaber trotzdem in nicht zu engen Grenzen gehaltene -Röntgendosis, von der die Epidermis nicht, oder nur wenig beeinflußt wird, die Papille zu zerstören. Es galt also, Mittel zu finden, durch die entweder die Röntgenempfindlichkeit der Haut herabgesetzt, oder die der Papifie gesteigert werden kOnnte. Meine ersten Versuche, die ich vor etwa fünf Jahren mit der eben damals von Schwarz empfohlenen Kompressions-methode2) erzielte, führten zum Resultate, daß zwar dadurch die Empfindlichkeit der haut tatsächlich bedeutend herabgesetzt wurde, gleichzeitig damit aber auch die der Papille. Für meine Zwecke war daher die Methode nicht verwendbar. Andere Versuche, die darauf abzielten, die Empfindlichkeit der Haut einseitig herabzusetzen (durch Kälteeinwirkung, Nach einem vor den Teilnehmern an der ersten Studienreise der Deutschen Röntgen-Gesellschaft in Wien, am 20. September 1913 gehaltenen Vortrag. Durch diese Methode wird bekanntlich eine Anümisierung und infolgedessen eine Empfindlichkeitsherabsetzung der Haut für Röntgenstrahlen erzielt. Dieses Dokument wurde zum persönlichen Gebrauch heruntergeladen. Vervielfältigung nur mit Zustimmung des Verlages.
doi:10.1055/s-0028-1128910 fatcat:qv4h2ivhevc6jbl6oeiujqxcr4