Vergleichende Naturbeschreibung der Säugethiere / [book]

Georg August Goldfuss, Johann Christian Daniel Schreber
1809 unpublished
aber darauf zu verweisen; wie BüfFon, Pallas und Andere ausführlicher , Pennant kürzer , und Linne in der gedrängtesten Vorrede. x.* Kürze gethan haben. Oder man gibt das , was alle Arten einer Gattung in den angeführten Punkten Gemeinschaftliches baten , nächstden von der Beschaffenhfeit der charakteristischen Theile hergenommenen Gattungscharakteren an, da es ja auch der Gattung charakteristisch ist ; und macht die^Anzeige dessen , was jede Art Besonderes und Eigenthümliches hat , da , wo man
more » ... s hat , da , wo man von ilu insbesondere redet ; wie ich in meiner Beschreibung der Säugthiere zu thun mich bestrebte. Der Herr Verfasser dieses Werkes aber hat bey jeder Gattung das , was sämtHche Arten in den Eigenschaften und dem Gebrauche oder Schaden mit einander gemein haben, angezeigt, und damit das Eigenthümliche jeder Art, oder doch der vorzüglichsten Arten , sogleich verbunden. Dadurch verschaffet er dem Leser eine angenehme Uebersicht dessen , was von jeder Gattung bekannt ist; woraus sich die Lücken in der Kenntnifs derselben zugleich ergeben. Diese Zusammenstellung des Merkwürdigen von jeder Gattung gibt auch Gelegenheit, die Abweichungen in den Eigenschaften und Benuzungen , worinn sich manche Arten einer Gattung von den übrigen entfernen , deutlicher zu erkennen , und mit denen , die sich etwan in der Struktur äussern , zu vergleichen. Dieser Uebersicht des Merkwürdigen von jeder Gattung und ihren Arten hat der Herr Verfasser durch den Hchtvollen und gefälligen Vortrag noch mehr Annehmlichkeit zu geben gewufst. Um die merkwürdigsten Säugthierarten anschaulich zu machen, hat der Herr Doctor eine beträchtliche Anzahl Kupfertafeln aus den zu meiner Beschreibung der Säugthiere gehörigen ausgewählt. Vorrede.' md 5 mit einigen neu gestochenen vermehrt , zu dem Texte seines Werkes^hinzugefügt ; für deren genaue und schöne Ausmahlung die Verlagshandlung bestens besorgt gewesen ist. Von diesen ist eine , nehmlich die zv/ölfte , mit einem andern Namen verseben worden , wovon ich noch kürzlich Redienschaft geben mufs. Als diese Platte für mein Werk gestochen wurde , liefs ich den Namen Sciurus einereus Linn, darauf sezen , ob er gleich schon auf Tab. CCXill. steht , und diese eine in der Grösse , der Bildung der Theile , der Farbe , und den Sitten und Eigenschaften von jener merklich verschiedene Art der Eichhörner darstellt, von welchem Unterschiede ich mich nun desto gewisser überzeugen konnte , da ich beyde Arten eine geraume Zeit lebendig unterhalten habe» Beyde sind bisher immer mit einander verwechselt worden , und aus Linnes Werken ist es nicht deutlich zu ersehen, welche er mit dem oben angeführten Namen habe anzeigen wollen-Deswegen habe ich ilm beyden gelassen , mit dem Vorbehalte künftig mich -darüber umständlicher zu äussern. In der Folge ist es mir aus einigen Nebenumständen sehr wahrscheinlich geworden , dafs mein verev/igter Lehrer jenen Namen eigenthch der Art , welche mein Werk auf der CCXlIften Kupferplatte darstellt, gegeben habe. Es war mir daher erwünscht, zu sehen dafs ein so grosser Naturkenner , als Herr Bosc , gleicher Meinung sey, und den von ihm für die grössere Art gewählten Namen : Sciurus capistratus , annehmen und auf der Platte gegen den andern vertauschen zu können. Von dem Sciurus cinereus ist vielleicht das Fuchs -Eichhorn, Sciurus vulpinus , nur eine Spielart ; und den nordanierikanischen Naturforschern muß ich es überlassen , zu un-Vorrede. xiii tersuchen i "ob nicht das dortige schwarze Eichhorn , Sciurus nier Linn, eine blosse Spielart von dem 'kS'c. capistratus sey ? welches mir wahrscheinlich ist. Von jenem , dem Sciurus niger, werde ich nächstens .eine von dem unvergefslichen , Seinem Lande und der Naturgeschichte allzu ftüh .entrissenen Herrn Herzoge Georg von Sachsen Meiningen nach dem Leben gemahlte und mir mitgetheilte sehr treßiche Abbildung, anstatt der weniger vollkommenen, welche die GCXVte Platte enthält , liefern. -Die Aenderungen der Namen auf einigen andern Platten wurden durch die Aenderungen einiger Gattungen veranlafst^und bedürfen keiner weitem Erläuterung. 'l -Anzahl der y,ähne in der Untern J Kinnlade, V. -Vaterland, Vergleichende Naturbeschreibung der n g e t h i € r e. Erster Band. 1 Einleitung. W^irft man einen Blick auf die unermefsliche Menge und Manche faltigkeit der organischen Körper, die den Schmuck und die Bevölkerung unseres Erdballs ausmachen; so finden wir sogleich, dafs sie in zwey grofse Hauptabtheilungen zerfallen , deren eine die mit thierischen, die andere die mit Pflanzenieben begabten Körper enthält. Das den Thieren eigene Empfindungsund Vorstellungsvermögen unterscheidet sie zwar von den Pflanzen; allein da dieses innere Merkmal nicht durch äussere erkannt werden kann, so fällt es immer dem Naturforscher schwer, die Gränze zwischen beyden genau zu bestimmen. Doch findet man bey allen Thieren: dafs sie das Vermögen haben, ihren ganzen Körper, oder wenigstens einzelne Glieder desselben, willkührlich von einem Orte zu dem andern zu bewegen; dafs sie die. Stoffe, deren sie zu ihrer Nahrung bedürfen, durch eine einzige Oeffnung, den Mund, einnehmen, und durch eine andere, den After, die Ueberbleibsel derselben abscheiden, und ihre Zengungstlieile bis zum Tode behalten. Die Geschichte der Veränderungen, welche die Thiere nach und nach erlitten haben, die Verwandlung einer Stammrasse in mehrere Nebenrassen, die Veränderungen, welche sie durch das Zähmen .und Versetzen in andere Climate erfuhren , und überhaupt alle Umstände, durch welche sie das wurden, was sie jetzt sind, betrachtet die Naturgeschichte der Thiere, X,oogonie. Dieser Wissenschaft stehet die Zoonomle gegenüber, und betrachtet die Thiere , wie sie jetzt sind ; sie ist der Inbegriff der Kenntnisse von den Erscheinungen des thierischen Lebens, nach ihren Bezie-/. Band. l a Einleitung. liungen auf einander in Raum und Zeit. Ihr sind die Xßograj)lne, Tjiotomie und Zoochemie untergeordnet, von welchen die letzteren die Mischung und innere Form, die erst er e aber die äussere Gestalt, die Sitten und das Betragen der Thiere, beschreiben. J. 2. Als die vollkommensten gröfsten und nützlichsten Geschöpfe verdienen die Säugethiere unsere vorzügliche Aufmerksamkeit. Sie bilden die erste Kl a s s e im Thierreiche , und unterscheiden sich von allen andern dadurch, dafs sie rothes warmes Blut haben, lebendige lungen gebären, und diese vermittelst ihrer Säugewerkzeuge ernähren. Sie sind unsere Hausgenossen und beständigen Gefährten, dienen uns zum Schutze und zum Vergnügen , und werden auf die manchfahigste Weise benutzt, so dafs das Menschengeschlecht, ohne ihre Hülfe, das nicht seyn würde, was es ist. Die genaue Kenntnifs der verschiedenen Arten derselben, ihrer Lebensart, ihres Nutzens und Schadens, welche die Zoographie (Naturbeschreibung) lehret, ist daher jedem Menschen wichtig und nothwendig, und gewähret noch überdiefs , w egen ihrer Abwechslung und Manchfaltigkeit, das reinste Vergnügen. Wir wollen uns hier mit derselben beschäftigen. Ehe wir aber zur Beschreibung der einzelnen Arten der Thiere selbst übergehen, ist es nöthig, eine kurze Betrachtung über die Gestalt, Anzahl, Lage und Verhältnisse ihrer äus s e r n Th e i 1 e anzustellen , und die bestimmten Benennungen derselben anzugeben. Denn nur durch eine deuthche Kunstsprache wird eine kurze und vollständige Thierbeschreibung, von welcher die Klassifikation abhängt, möglich gemacht. }. 3. Der Körper der Säugetliiere ist mit einer Haut bekleidet, und diese ist entweder kahl, oder mit mancherley Bedeckun-Einleitung. " 3 gen versehen. Im ersten Falle ist sie glatt 0, runzlich «), schwielig^), hart und von verschiedener Dicke J); im zweyten Falle aber, mit Haaren «), Wolle 0, B orsten «), oder Stacheln'), Schilden '°) und Gürteln^' ) besetzt. Die Haare sind entweder Stamm haare, welche länger, steifer und einzelner vertheilt sind, oder Wollhaare, weiche weicher und kürzer sind, und zwischen jenen über den ganzen Körper verbreitet stehen. Im allgemeinen sind alle Haare entweder kurz oder lang, gerade oder wellenförmig und stehen dicht^4^) oder dünne^' '), nach einer oder nach entgegengesetzten Rich-tungen^^) . Sie bilden an verschiedenen Orten Haarbüs chel^7),
doi:10.5962/bhl.title.102742 fatcat:inkmgp527ve77h7orhi2dcf4mi