Transplantation

1911 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
verstehen unter Regeneration die Wiedererzeugung verloren gegangener Körperteile und unter Transplantation die Verpflanzung von Körperteilen auf den gleichen oder einen anderen Organismus. Die Regeneration setzt in der Regel, die Transplantation stets einen operativen Eingriff voraus. Die außerordentlich große Regenerationsfäh igkeit und die Möglichkeit weitgehender Transplantation bei niederen Tieren möchte ich nur kurz erwähnen. (Born, Korschelt, Specmann u. a.) Bei den höheren Wirbeltieren
more » ... eren Wirbeltieren (Säugern) und dem Menschen sind die regenerativen Leistungen leider gering; der Transplantation sind ebenfalls gewisse, vorerst unübersteigbare Schranken gesetzt. Es würde zu weit führen, auf alle Gewebe hier einzugehen. Die Regeneration ist bei Säugern und dem Menschen im wesentlichen auf solche Gewebe und Gewebsteile beschränkt, die unter physiologischen Verhältnissen einer fortwährenden oder periodischen Abnutzung ausgesetzt sind, wie z. B. die Epidermis, die Zellen der Schleimhäute und ihrer Drüsen. Wie die Elemente dieser Gewebe unter normalcn Umständen durch physiologische Regeneration von der tieferliegenden jüngsten Schicht, der Keimsehicht, neugebildet werden, so ist es auch beim Ersatz nach einer Verletzung, also bei der traumatischen oder pathologischen Regeneration. Wenn z. B. zu der einfachen Epithelverletzung bei größeren Eingriffen auch eine Kontinuitätstrennung des Blutgefäß-Bindegewebsapparates hinzukommt, so ist die Regeneration unvollkommen, insofern als an Stelle der Verletzung ein Gewebe geringerer Dignität Narbengewebe -gebildet wird; auch kann in schweren Fällen ein Defekt bestehen bleiben. Defekte eines mehrschichtigen Plattenepithels werden verhältnismäßig leicht repariert. Wir können die Epithelisierung unterstützen durch Anwendung von 5-8 %iger Scharlachrotsalbe oder von Bolus mit Beimengung von Argent. nitricum in der Menge von 1 %. Hat aus dem Trauma ein Defekt resultiert, müssen wir mit der nachträglichen Schrumpfung z. B. in der Nähe des Auges rechnen, kommen wir mit Entspannungsschnitten nicht
doi:10.1055/s-0028-1131136 fatcat:2uojkbyifneslfah63a74fygk4