Die Warda'schen Kantpublikationen

1902 Kant-Studien  
Die Warda'schen Kantpublikationen. Einen wertvollen Fund von Kantreliquien hat vor einiger Zeit Arthur Warda 1 ) gemacht: er entdeckte eine Keihe von eigenhändigen Manuskripten des Philosophen, die sich unter der Bezeichnung "Kantische Beliquien" im Nachlasse von Kants Freund, dem Kriegsrat J. G. Seh eff n er auf dem Kgl. Staatsarchiv zu Königsberg befinden. In dankenswerter Weise hat Warda bereits damit begonnen, seinen Fund dadurch nutzbar zu machen, dass er die einzelnen Stücke mit den für
more » ... tücke mit den für das Verständnis nötigen Erläuterungen zum Abdruck bringt. Warda ist mit den zur Biographie Kants gehörigen Thatsachen vollständig vertraut und ist darum in hervorragendem Masse imstande, die Beziehungen aufzudecken, die jenen Manuskripten zu Grunde liegen. Die erste Veröffentlichung dieser Art betrifft den "Entwurf des Briefes von Kant an Maria von Herbert" (Altpreuss. Monatsschrift, Bd. XXXVH, Heft l u. 2). Bereits im Jahre 1879 hatte Franz Sintenis in derselben Zeitschrift eine Studie veröffentlicht u. d. T. "Maria von Herbert und Kant". Sintenis konnte sich damals nur auf die Briefe von Maria von Herbert an Kant und einige sonstige Quellen stützen, die ja hinreichend waren, um ein Bild jener Unglücklichen zu entwerfen, die an der Klippe der romantischen Liebe gescheitert war (um einen Ausdruck des sowohl mit ihr wie mit Kant in Beziehung stehenden Arztes und Philosophen J. B. Erhard zu gebrauchen), und die sich nun an Kant wendet mit der Bitte, ihr Trost zu geben oder Verdammung: ihren Geiebten habe sie "durch eine langwierige Lug beleidigt", sie habe ihm diese Lug jetzt entdeckt, aber dadurch das "innige Gefühl" zerstört, das vorher sie und iftren "Gegenstand" an einander gefesselt hatte. Noch zwei spätere Briefe von Maria von Herbert an Kant finden sich bei Sintenis abgedruckt, aus denen hervorgeht, dass Kant den ersten Brief beantwortet hat. Aber leider war von diesem Briefe Kants nichts aufzufinden. Auch Warda hat den Brief selbst noch nicht gefunden, wohl aber Kants ausführlichen Entwurf dazu (vermutlich aus dem Frühjahr 1792 stammend), von dem er einen diplomatischen Abdruck publiziert. Der Briefentwurf ist wertvoll, soferne er den Charakter Kants von einer interessanten Seite beleuchtet; er ist wertvoll, soferne er die tragische Geschichte der Adres-cntet; er ist wertvoll, soierne er die »> Vgl. KSt. 1 , 360; IV, 120, 857, 471, 476; V, 78. Brought to you by |
doi:10.1515/kant.1902.7.1-3.120 fatcat:bi54j52tvnhitl4zpeukcbthbm