Ein Beitrag zur Ballonbehandlung mit tierischen Blasen

1914 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Schon vor zehn Jahren empfahl Baumm1) die Einführung von tierischen Blasen an Stelle von Gummiblasen zur Einleitung der Frühgeburt. Diese Empfehlung verhallte lautlos, vielleicht, weil es eben den meisten Geburtshelfern an Zeit gebrach, die umständliche Vorbereitung und Sterilisierung der beim Schlächter gekauften Blasen selbst vorzunehnen. Kürzlich wurde nun diese Empfehlung von dem gleichen Autor wiederholt, nachdem es nunmehr möglich ist, die fertig sterilisierten und präparierten Blasen
more » ... arierten Blasen käuflich zu beziehen. Der Vorteil dieser Blasen gegenüber den Gummiballons besteht unter anderem darin, daß es durch ihre Verwendung möglich ist, Flüssigkeiten in den Uterus zu bringen, die allmählich aus der Blase in das Uteruscavum diffundieren und dem mechanischen Reiz der als Fremdkörper wirkenden Blase noch einen chemischen Reiz hinzuzufügen. Baumm wählte dazu das Glyzerin, dessen wehenerregenden Einfluß man schon lange kennt, das auch früher weit öfter verwendet wurde. In den Jahren 1893/94 findet sich eine umfangreiche Literatur für und wider die Verwendung des Glyzerins zur Erregung von Wehen. Besonders gewarnt wurde damals von einigen Autoren vor der Anwendung größerer Glyzerindosen, weil einige Fä]le von Glyzerinvergiftung vorgekommen waren; das Hauptsymptom bestand dabei in einer schweren Nierenchdigung, die sich durch Albuminurie und Hamoglobinurie bemerkbar machte. Da in der Tat das Glyzerin ein vorzügliches Mittel zur Wehenerregung ist, wurden die verschiedensten Wege eingeschlagen, um seine Anwendung ungefährlicher zu gestalten. Auch diese Literaturangaben liegen lange zuiück und verdienen kaum, der Vergessenheit entrissen zu werden. Bau mm2) griff also seinen alten Gedanken neuerdings wieder auf und veröffentlichte seine Methode. Nach seiner Vorstellung diffundiert das in der Blase eingeführte Glyzerin aus der tierischen Blase in das Uteruscavum, während anderseits der Inhalt der Blase durch starkes Eindringen von Flüssigkeit bedeutend vermehrt wird. Die Glyzerinmenge, welche die Blase verläßt, ist nach seinen Erfahrungen recht beträchtlich; sie beträgt etwa die Hälfte, oft noch mehr der eingeführten Menge. Nach der vorliegenden Literatur ist es selbstverständlich, daß auch diese Einführung von Glyzerin in den TJterus Wehen hervorrufen muß; etwas anderes aber ist es, ob diese Mengen tatsächlich so unschädlich für den Organismus sind, wie dies der Autor darstellt. Allerdings muß hervorgehoben werden, daß der Vater dieser Methode über mehr als 200 Fälle ver.. ügt, ohne daß er einen wesentlichen Schaden seiner Methode gesehen hat. Nur in vereinzelten Fällen scheint er leichte Albuminurien gesehen zu haben, während stärkere Vergiftungserscheinungen, wie Benommenheit, Hämoglobinurie etc., fehlten.
doi:10.1055/s-0029-1190361 fatcat:4do6ctmkd5bgnncvnnud3wbtou