Akustische Untersuchungen über die Nasenvocale

1889 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Wenn man von Nasenvocalen spricht, wirft man dabei zwei Klassen von Lauten zusammen, die sowohl ihrer Klangfarbe nach, als in Bezug auf ihre physiologische Bildung weit von einander verschieden sind. Es sind dies einerseits die der französischen Sprache eigenthümlichen, andererseits die den meisten anderen Sprachen angehörenden Nasenvocale. In meinem Buche über die adenoïden Wucherungen im Pharynx nasalis3) habe ich mich veranlasst gesehen, auf den in Rede stehenden Punkt näher einzugehen, als
more » ... er einzugehen, als ich die Störungen genauer untersuchte, welche die Aussprache durch die besagten Geschwülste erleidet. Indem dieselben nämlich die Choanen von hintenher verlegen, hindern sie den Durchzug der Luft durch die Nase und machen so -wie alle die Nase verlegenden Krankheiten -das Aussprechen aller der Buchstaben unmöglich, zu deren Hervorbringen der freie Durchgang der Exspirationsluft durch die Nase und ihr Mitschwingen in derselben nothwendig ist. Dabei untersuchte ich zuerst, wie m und n im normalen Zustande gebildet werden, und dann weiterhin, wie jede pathologische Verlegung der Schlundnasenpassage (z. B. eben durch die adenoiden Wucherungen im Nasenrachenraum) das Aussprechen dieser Buchstaben unmöglich macht und zur Folge hat, dass die Patienten an ihrer Stelle b und d hervorbringen. Darauf ging ich zu den Nasenvocalen über und untersuchte, welche Umänderungen diese Laute unter den besagten Umständen erfahren, ein Punkt, der bis dahin noch nicht ergründet worden war. Indem ich zuvörderst die normale Bildung der Nasenvocale erörterte, drückte ich mich folgendermaassen aus:) Es erübrigt noch, uns mit einer anderen Gruppe von Nasenlauten zu beschäftigen (scil. ausser m und n) , die man noch nicht, so viel ich weiss, von diesem speciellen Gesichtspunkte aus betrachtet hat, nämlich mit den Nasenvocalen, wie man sie in Frankreich ausspricht. Diese Laute werden hervorgebracht, indem die Luft durch einen Engpass (ein "Thor' nach Bruch) streicht, der durch Heben des 1) Es ist übrigens nicht immer die Noma nur in einzelnen Fällen zur Beobachtung gekommen, sondern es liegen mehrfache Angaben in der Litteratur vor, nach welchen ein gehauftes Auftreten besonders in Kinderhospitalen gesehen wurde. Ich will nur Einiges herausgreifen.
doi:10.1055/s-0029-1198524 fatcat:b3pkzz4ghbh7rdpmwy6okhywxi