Rivaroxaban zur Behandlung der akuten Lungenembolie

Nils Kucher
2013 Swiss Medical Forum = Schweizerisches Medizin-Forum  
Wirkmechanismus Rivaroxaban ist ein oraler, direkter, kompetitiver Inhi bitor von freiem und gebundenem Faktor Xa mit einer hohen Bioverfügbarkeit, einem raschem Wirkungseintritt innerhalb von 2-4 Stunden, einer kurzen Halbwertzeit von 7-11 Stunden und einem dualen Eliminationsmodus (ein Drittel renal, zwei Drittel hepatisch/fäkal). Auf grund der rasch eintretenden, zuverlässigen und vor hersehbaren Wirkung wird Rivaroxaban in einer fixen Dosierung ohne Notwendigkeit für parenterale Anti
more » ... nterale Anti koagulation in der Initialphase und ohne Gerinnungs Monitoring verabreicht. Studienresultate Die Antikoagulation ist wichtigster Bestandteil bei der Behandlung einer akuten Lungenembolie, weil die Anti koagulation ein LungenembolieRezidiv in den aller meisten Fällen verhindert. Rivaroxaban ist effektiv und sicher in der Behandlung der akuten Venenthrombose und in der Sekundärprophylaxe nach stattgehabter tiefer Venenthrombose und Lungenembolie [1]. Die von den internationalen Richtlinien empfohlene Dauer der Antikoagulation nach Lungenembolie ist iden tisch zur Antikoagulation bei der tiefen proximalen Ve nenthrombose und richtet sich in erster Linie danach, ob das Ereignis durch einen reversiblen klinischen Risikofaktor ( kürzliche Operation, Trauma, Immobilisa tion, akute Komorbidität) provoziert wurde [2]. Bei pro voziertem Ereignis reicht in der Regel eine dreimona tige Anti koagulation infolge geringen Rezidivrisikos aus. Patienten mit idiopathischem Ereignis, das heisst ohne reversiblen klinischen Risikofaktor, sind bei einem lang fristigem Rezidivrisiko von 30% Kandidaten für eine dauerhafte Antikoagulation, wobei das NutzenRisiko Verhältnis einer fortzuführenden Antikoagulation nach drei Monaten und dann in regelmässigen Abständen durch den behandelnden Arzt überprüft werden soll. In einer randomisierten klinischen Studie (EINSTEIN PE) mit 4832 Patienten mit akuter Lungenembolie wurde Rivaroxaban (15 mg zweimal täglich für 3 Wochen ge folgt von 20 mg einmal täglich) mit der Standardtherapie verglichen (niedermolekulares Heparin überlappend mit VitaminKAntagonist) [3]. Patienten mit massiven Lungenembolien, bei welchen eine Thrombolyse oder Embolektomie durchgeführt wurde, waren nicht zuge lassen. Eine initiale Anbehandlung mit unfraktioniertem oder niedermolekularem Heparin oder mit Fondapa rinux für weniger als 48 Stunden wurde aus logistischen Gründen zugelassen. Die Dauer der zu verabreichenden Studienmedikation wurde vom Studienarzt entschieden und betrug 3, 6 oder 12 Monate mit einer mittleren Be handlungsdauer von ca. 260 Tagen. Der primäre Wirk samkeitsendpunkt der rezidivierenden venösen Throm boembolie trat in 2,1% der mit Rivaroxaban behandelten Patienten und in 1,8% der mit Standardtherapie behan delten Patienten auf (Hazard Ratio 1,12; 95% Confi dence Intervall 0,75-1,68). Rivaroxaban war der Stan dardtherapie hinsichtlich Wirksamkeit nicht unterlegen, weil der obere ConfidenceWert von 1,68 die spezifi zierte NonInferiorityGrenze von 2,0 nicht überschrit ten hatte. Schwere Blutungen traten in 1,1% der mit Rivaroxaban behandelten Patienten und in 2,2% der mit Standard therapie behandelten Patienten auf, einer signifikanten 51%igen Reduktion des relativen Risikos entsprechend (Hazard Ratio 0,49; 95% ConfidenceIntervall 0,31-0,79). Im Vergleich zur Standardtherapie kam es unter Rivaro xaban zu deutlich weniger Hirnblutungen (3 vs. 12 Er eignisse) und retroperitonealen Blutungen (1 vs. 8 Ereig nisse). Die Abbruchrate der Studienmedikation war in beiden Behandlungsgruppen gering und vergleichbar (5,1% in der Rivaroxabangruppe und 4,1% in der Stan dardtherapiegruppe).
doi:10.4414/smf.2013.01711 fatcat:rpvqox4gejfirezqmlfsradwuq