"Wenn du ein Kind bist, ist dein Zimmer die ganze Welt..." Gespräch mit Sandra Kogut zu den Dreharbeiten des brasilianischen Films MUTUM [article]

Bettina Henzler, Mediarep, Philipps Universität Marburg
2019
Die Regisseurin Sandra Kogut hat in der Videokunst und im Dokumentarfilm gearbeitet, bevor sie seit 2007 zwei Spielfilme mit Kindern als Hauptfiguren drehte die beide auf internationalen Festivals ausgezeichnet wurden: MUTUM (2007) und CAMPO GRANDE (2015). In diesem Gespräch gibt sie Auskunft über die Dreharbeiten zu MUTUM, der mit Laiendarstellern in einer entlegenen, ländlichen Region Brasiliensdem Sertaogedreht wurde. Der Film bezieht sich auf einen Roman der brasilianischen Moderne Campo
more » ... en Moderne Campo Geral von João Guimarães Rosa, der als innerer Monolog eines Kindes angelegt ist. Es handelt sich dabei aber nicht um eine Verfilmung im engeren Sinne, denn MUTUM findet eine ganz eigene filmästhetische Form, um sich der Wahrnehmung eines Kindes, das die Welt nur ins Ausschnitten und aus der Nähe begreift, zu vermitteln. Das Gespräch befasst sich mit der Arbeit mit Kindern als Darstellern, mit dem Aufrufen von Gefühlenund führt zu grundsätzlichen Fragen zur Kindheit und ihrer filmästhetischen Reflexion. Siehe dazu auch die Analyse von MUTUM in Kino, Kindheit, Filmästhetik (Online unter: www.filmundkindheit.de/forschung/positionen/kino-kindheit-filmasthetik/). Bettina Henzler: Du kommst aus dem Video-und Dokumentarfilmbereich und hattest nicht von Anfang an die Idee, einen Film mit Kindern zu machen. Warum hast du deinen Debütspielfilm und auch deinen zweiten Spielfilm mit Kindern gedreht? Sandra Kogut: Kinder stehen nicht sehr oft im Vordergrund. Sie stehen meist eher am Rande. Sie betrachten die Welt von einem ganz einzigartigen Ort aus, und dieser Blick interessiert mich. Außerdem beschreibt das Buch Campo Geral, auf dem der Film MUTUM basiert, die Kindheit auf eine dermaßen direkte und berührende Art und Weise, dass ich Lust hatte, daraus einen Film zu machen. Die Kindheit ist in dieser Geschichte wirklich eine präverbale Zeit, sehr sinnlich und intuitiv, und genau das finde ich
doi:10.25969/mediarep/12948 fatcat:i7ukqwadb5eqtjf4ikcyps24ha