Vorbemerkung der Herausgeber [chapter]

Die Werkzeugkiste der Cultural Studies  
Cultural Studies sind nicht nur ein theoretischer Ansatz, sondern auch ein intellektuelles Projekt mit einem politischen Anspruch. Sie sind transdisziplinär, manchmal auch gegendisziplinär, transnational orientiert. Außerdem sind sie interpretativen und kritischen Methodologien verpflichtet. Ihre Geschichte zeigt, dass die Wahl der jeweiligen Forschungspraxis aus pragmatischen, strategischen und selbstreflexiven Gesichtspunkten heraus erfolgt. Zentral sind die Fragen, Konflikte und Probleme,
more » ... sich in einem spezifischen sozialen Kontext stellen. Es geht um die sozialen Auseinandersetzungen, wie sie sich im Alltag der Menschen zeigen -und es geht darum, die Strukturen und die Dynamik des Alltags im Rahmen ihres historischen, kulturellen, politischen und ökonomischen Kontextes zu betrachten. Aus dem Pool der vorhandenen theoretischen Konzepte, Methoden und Auswertungsverfahren werden diejenigen »Werkzeuge« ausgewählt, die für die jeweilige Aufgabe als geeignet erscheinen. Theorie wird in diesem Sinn als strategische Ressource benutzt. Werden neue Werkzeuge gebraucht, so werden diese hergestellt. Cultural Studies sind notwendigerweise offen für unerwartete und ungebetene Möglichkeiten. Der Forschungsprozess lässt sich als Bricolage begreifen. Leitend für die Theorieentwicklung sind die kulturellen Praktiken und Erfahrungen der Menschen in ihrem Alltagsleben. Michel Foucaults Analysen folgend, wird der Zusammenhang von Wissenschaft und Macht kritisch reflektiert. Wissenschaftliche Forschung ist kein Selbstzweck, sondern Teil des Bemühens, eine demokratischere und gerechtere Gesellschaft zu schaffen. Cultural Studies geht es um die »Theoretisierung von Politik« und die »Politisierung
doi:10.14361/9783839400661-001 fatcat:xsrzrczpdnefbpa5k3ignbb66u